Curiosity entdeckt Hinweise auf kontinentale Marskruste

15. Juli 2015, 13:53
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Quarzähnliche Gesteine lassen vermuten, dass die Erde doch nicht der einzige Planet mit zwei unterschiedlichen Krusten ist

Paris/Washington – Die Erdkruste – also die äußerste, feste Schale der Erde – wird in zwei Krusten eingeteilt: in die ozeanische und die kontinentale Kruste, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung voneinander unterscheiden. Die vergleichsweise dünne, aber dichte ozeanische Kruste besteht hauptsächlich aus Basalt und Gabbro und weist neben Sauerstoff und Silizium auch einen hohen Magnesiumanteil auf. Sie wird entlang der mittelozeanischen Rücken ständig neu aufgebaut.

Die weitaus dickere, aber weniger dichte kontinentale Kruste hingegen entstand durch Umwandlungsprozesse in der Frühzeit der Erde. Sie besteht, neben Sauerstoff, hauptsächlich aus Silizium und Aluminium.

Auffällige Gesteinsbrocken

Gesteine, die der irdischen ozeanischen Kruste ähneln, sind auch von anderen Planeten bekannt. Die Marsoberfläche besteht etwa vorwiegend aus basaltischen Gesteinen. Für die kontinentale Kruste gilt das nicht: Bislang gewonnene Daten ließen darauf schließen, dass die Erde der einzige Himmelskörper im Sonnensystem ist, die über zwei unterschiedliche Krusten verfügt.

Doch an dieser Annahme kratzen nun der NASA-Marsrover Curiosity und ein Forscherteam um Violaine Sautter vom Muséum d’Histoire Naturelle in Paris: Der Forschungsroboter analysierte unter anderem 22 auffällig helle Gesteinsbrocken aus dem Galekrater. Sie dürften in der Frühzeit des Mars in den Krater gelangt sein, schreiben Sautter und Kollegen in "Nature Geoscience": "Ihr Ursprungsort ist eine mehrere Kilometer dicke Schicht unter der heutigen Marsoberfläche, die im nördlichen Kraterrand zutage tritt."

Ähnlichkeit zur frühen Erde?

Die Daten zeigen, dass die untersuchten Proben mehr als 60 Prozent Siliziumdioxid enthalten, aber unterschiedlich alkalisch sind. "Unser spannendster Fund sind die quarzähnlichen Brocken der Gruppe 1", so die Forscher. Denn diese Proben ähneln in ihrer Zusammensetzung der kontinentalen Erdkruste. Dass es sich dabei nur um eine lokale Besonderheit handeln könnte, halten die Forscher für recht unwahrscheinlich: "Solches Quarz-Feldspat-ähnliches Material wurde von Orbitern auch schon in anderen Regionen des Mars entdeckt."

Sautter und Kollegen halten es also für durchaus möglich, dass es sich bei Curiositys Entdeckungen um Reste einer kontinentalen Kruste des jungen Mars handelt. Sie könnte vor allem unter dem marsianischen Hochland des Südens noch häufig vorkommen. Dafür sprechen auch frühere Ergebnisse von Schwerefeldmessungen, die darauf hindeuten, dass die Kruste des marsianischen Hochlands weniger Dichte aufweist als in anderen Gebieten. "Dieses Paradox könnte durch eine 'begrabene' leichtere Komponente auf der Südhalbkugel erklärt werden", so Sautter.

Die frühe geologische Geschichte des Mars ähnelt jener der Erde also möglicherweise viel stärker als bislang vermutet. Um dies eindeutig nachweisen zu können, sind freilich noch weitere Daten und Untersuchungen nötig. (red, 15.7.2015)

  • Reste einer kontinentalen Marskruste? Diese Gesteinsprobe aus dem Galekrater enthält Feldspat vermischt mit Quarzkristallen und mafischen Mineralen.
    foto: nasa/jpl-caltech/msss

    Reste einer kontinentalen Marskruste? Diese Gesteinsprobe aus dem Galekrater enthält Feldspat vermischt mit Quarzkristallen und mafischen Mineralen.

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