Mechanismus zur Regulierung der Zellgröße entschlüsselt

25. Juli 2015, 18:02
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Wiener Genetiker entdecken Proteinkomplex, der das Zellwachstum steuert

Wien – Jede Zelle des menschlichen Körpers muss eine ganz bestimmte Größe haben, um richtig zu funktionieren. Nun haben Forscher rund um Markus Hengstschläger vom Institut für Medizinische Genetik der MedUni einen neuen Mechanismus entdeckt, der die Zellgröße reguliert.

Die Daten der Arbeitsgruppe weisen darauf hin, dass ein Proteinkomplex mit der Bezeichnung eIF3 ein entscheidender Regulator der Zellgröße ist. eIF3 interagiert mit dem Zellwachstumsfaktor mTOR und dem der S6Kinase-Enzym und ist andererseits ein wichtiger Initiator der allgemeinen Proteinsynthese von Zellen.

Damit der Körper im Ganzen und alle Organe im Einzelnen funktionieren können, müssen sowohl Anzahl als auch Größe jeder einzelnen der unzähligen Körperzellen des Menschen ein Leben lang genau kontrolliert werden. Die genaue Anzahl wird durch Zellteilung reguliert, die Zellgröße resultiert aus der Kontrolle des Zellwachstums. Die Wissenschafter konnten zeigen, dass Zellen, in denen eIF3 nicht aktiv sein kann, die Kontrolle ihrer Zellgröße nicht aufrechterhalten können. Das gilt auch für Tumorzellen. Die Ergebnisse wurden im Journal "Oncotarget" veröffentlicht.

Zellwachstum außer Kontrolle kann zu Tumorbildung führen

Im menschlichen Körper sind Zellteilung und Zellwachstum nicht unbedingt gekoppelt. So können Nervenzellen wachsen, ohne sich zu vermehren. Während die Mechanismen, welche der Zellteilung zugrunde liegen, in der Vergangenheit intensiv erforscht wurden, sind die Fragen, wie die verschiedenen Größen von Zellen kontrolliert werden bzw. warum überhaupt z.B. Muskelzellen, Hautzellen oder Blutzellen verschieden groß sind, noch unvollständig untersucht. Wenn die Kontrolle des Zellwachstums aus den Fugen gerät, können die einzelnen Zelltypen nicht nur ihre Funktionen nicht mehr ausüben – es kommt in den meisten Fällen auch zur Tumorbildung.

"Diese Erkenntnisse sind ein wichtiger weiterer Schritt für das Verständnis der molekularen Kontrolle der Zellgröße und könnten auch von Relevanz für die zukünftige Etablierung neuer Tumortherapien sein", erklärt Hengstschläger. (APA/red, 25.7.2015)

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