Royal Enfield Motorräder auf Expansionstour

14. Juli 2015, 14:34
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Der indische Hersteller eines der am meisten gebauten Krafträder will die Kapazität um 50 Prozent ausweiten

Madras/Wien – Made like a gun. So lautete der Qualität verheißende Slogan des englischen Unternehmens Royal Enfield, das Ende des 19. Jahrhunderts zunächst Waffen und Fahrräder herstellte und ab 1901 mit der Fertigung von Motorrädern begann. In den Werkshallen in Redditch, Worcestershire, werden schon längst keine der legendären Maschinen mehr zusammengebaut, mit denen britische Soldaten im Zweiten Weltkrieg in den Kampf ratterten. Dass Royal Enfield dennoch die älteste noch produzierte Motorradmarke ist, ist indischen Unternehmen zu verdanken. Und diese bauen jetzt die Produktion aus, um noch mehr Biker außerhalb Indiens mit einer ihrer Maschinen und modischem Zubehör auszustatten.

Eicher Motors, indischer Fahrzeugbauer mit deutschen Wurzeln, der 1993 Enfield Motors übernahm, will noch heuer seine Produktionskapazität um die Hälfte ausweiten. Damit könnte das Unternehmen jährlich 450.000 Motorräder fertigen, um die wachsende Nachfrage im nationalen und internationalen Markt befriedigen, sagte der für den Bereich verantwortliche Manager Rudratej Singh in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Legendäre Bullet 500

Unter Bikerfans besitzen die Maschinen Kultstatus, nicht zuletzt wegen ihrer langen Geschichte, einfachen Handhabung und leichten Reparatur. Seit mehr als 50 Jahren werden die Komponenten und Motorräder in Indien gefertigt. Vieles geschieht dabei noch in Handarbeit, fast eine Woche dauert den Angaben die Herstellung eines der motorisierten Zweiräder. Die Bullet 500, deren erstes Modell 1932 auf den Markt kam, gilt als eines der meist gebauten Motorräder der Welt.

Um die Expansion voranzutreiben, hat das Unternehmen bereits Verträge mit mehreren exklusiven Händlern in Kolumbien abgeschlossen. Diese sollen auch Kleidung und Accessoires verkaufen, um das Image von Royal Enfield als Lifestyle-Marke zu etablieren. Weitere Geschäfte sind auch in London, Paris und Madrid geplant. Royal Enfield ist Singh zufolge bereits in 40 Märkten präsent. In Indien besitzt der Hersteller mehr als 55 Filialen, weltweit sind es den Angaben nach 480. Das Zubehörgeschäft soll auch Leute anlocken, die (noch) nicht Motorradfahren, aber die Biker-Kultur cool finden, sagt Singh.

"Stehen für Langlebigkeit"

Heuer will der Hersteller umgerechnet 72 Millionen Dollar in den Grundstückskauf für eine neue Fabrik investieren, auch den Termin für den Startschuss des Baus festsetzen. Für die Fertigstellung wird mit einer Zeit von elf Monaten gerechnet.

Warum Singh so überzeugt ist, dass die Expansion gelingt? "In einer Welt, in der viele Produkte eine geplante Obsoleszenz eingebaut haben, unternehmen wir alles, dass wir für Langlebigkeit stehen." (kat, 14.7.2015)

http://royalenfield.com/

  • Setzen auf Langlebigkeit ihrer Motorräder: Eicher Motors-Chef  Siddhartha Lal (r) und Royal Enfield-Manager Enfield Rudratej Singh (l).
    foto: reurters / adnan abidi

    Setzen auf Langlebigkeit ihrer Motorräder: Eicher Motors-Chef Siddhartha Lal (r) und Royal Enfield-Manager Enfield Rudratej Singh (l).

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