Audi A3 Sportback e-tron: Weiße Weste

16. Juli 2015, 16:47
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In der Stadt elektrisch fahren, auf längeren Strecken mit Verbrennungsmotor – das bekommt durch Plug-in-Hybride derzeit einen enormen Schub. Der Audi A3 Sportback e-tron überzeugt im Langzeittest

O ja, es gibt da den einen oder anderen Mangel. Mit 280 Liter Kofferraum fasst der e-tron 100 Liter weniger Zeugs im Kofferraum als die konventionellen Ausführungen, und das Etui für die Ladekabel nimmt davon nochmal was weg. Es empfiehlt sich der Downsizing-Ansatz beim Gepäck.

Das Nichtvorhandensein eines Tempomaten im Testfahrzeug lässt sich ebenfalls als Defizit benennen – gerade für dieses Fahrzeug, gerade bei elektrischer Fahrt, würde der sich, speziell in adaptiver Ausführung, wärmstens empfehlen. Und mit 1615 Leergewicht ist der Wagen deutlich schwerer als sogar der Topdiesel (2,0 TDI, 184 PS) mit seinen 1395, was sich in flotten Kurvenfahrten bemerkbar macht, nämlich nicht vorteilhaft.

So. Das ist uns in den bisherigen vier Monaten an Minuspunkten aufgefallen, und wir haben gründlich gesucht. Die dürftig ausgebaute Ladeinfrastruktur kann man Audi nicht anlasten. Ansonsten: Nicht. Die. Geringste. Schwäche. Ja, man muss sich geradezu einbremsen, um nicht enthusiastisch zu werden. Das ist ein Typ mit weißer Weste. Aus den 50 km elektrische Normreichweite werden im Alltag reale 30 bis 40, das langt für fast alle Fahrten während der Woche, und ist die Batterie leer, übernimmt der 1,4-Liter-Benziner (150 PS).

Kein Rucken und Zucken

Selbst mit einem sparsamen Selbstzünder wird man nur schwer an den bisherigen Testverbrauchsschnitt von 4,2 l / 100 km herankommen, und dass wir den A3 Sportback e-tron ganz bewusst so bewegen wie jeden anderen Testwagen und auch auf die Klimaanlage nicht verzichten, sei der Ordnung halber hinzugefügt.

Elektro- und Ottomotor lösen einander ohne Rucken und Zucken ab, die 6-Gang-Automatik trägt ihr Komfortscherflein bei, in der Kraftentfaltung gibt's kaum einen Unterschied zwischen den beiden – der 102-PS-E-Motor ist vom Stand weg derart drehmomentstark, dass man die Kraft am Gaspedal bedächtiglich dosieren lernt. Im elektrischen Betriebszustand, mit dem man per Grundeinstellung erst einmal losfährt (sofern Saft in der Batterie), dominiert der Segel-Modus.

Der A3 rollt also ewig aus, wenn man vom Gas geht, und beim Bremsen ist eine relativ geringe Rekuperationsstufe hinterlegt. Man kapiert aber rasch, dass man halt ein bisserl heftiger in die Eisen steigen muss als sonst üblich. Geht man hingegen beim Verbrennungsmotor in die S-Stufe, verzögert der dann als Generator verwendete E-Motor deutlich vehementer. Die elektrische Höchstgeschwindigkeit liegt übrigens bei autobahntauglichen 130 km/h.

Simpler Ladevorgang

Über die Betriebsarttaste "EV" in der Mittelkonsole lassen sich anwählen: elektrisch fahren, Batterieladung nutzen, erhalten, erhöhen. Denkbar simpel der Ladevorgang: Drehknopf in den vier Audi-Ringen im Kühlergrill betätigen, dahinter befindliche Steckerabdeckung runter, beim Auto und an der Dose anstecken. Die Ladedauer von rund zwei Stunden am Starkstromanschluss der Redaktionsgarage ist überschaubar, bei normalem Haushaltsstrom dauert es schon länger, drei bis vier Stunden.

Für umweltbewusste Zeitgenossen mit entsprechender Lademöglichkeit ist der A3 e-tron ein nicht ganz billiges, aber sehr überzeugendes Konzept, das es mit identer Technik auch bei VW gibt, als e-Golf. Und Audi baut das Plug-in-Angebot zügig aus. Als Flaggschiff kommt Anfang 2016 der Q7 e-tron, ein Diesel-Plug-in-Hybrid mit 373 PS. (Andreas Stockinger, Rondomobil, 16.7.2015)

Technik

  • Preis: 39.900 €
  • Systemleistung: 150 kW (204 PS)
  • Beschleunigung: 7,6 sec 0-100 km/h
  • Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h (elektrisch: 130 km/h)
  • Ladedauer: 3 bis 4 h (Haushaltstrom), rund 2 h (Starkstrom)
  • Elektrische Reichweite: 50 km
  • Normverbrauch (gesamt): 1,6 l / 100 km

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Audi

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Während der Arbeitswoche fährt man fast alle Strecken elektrisch.
    foto: stockinger

    Während der Arbeitswoche fährt man fast alle Strecken elektrisch.

  • In vier Monaten ermittelter Verbrauchsschnitt: 4,2 l / 100 km.
    foto: stockinger

    In vier Monaten ermittelter Verbrauchsschnitt: 4,2 l / 100 km.

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