Bücher über Mobilität: Immer mit der Ruhe

16. Juli 2015, 16:47
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Entschleunigung statt Beschleunigung. Zu Huf, zu Fuß, zu Rad. Ein Bücher-Round-up zur humanen Mobilität

"In der Ruhe liegt die Kraft!" Gemeinhin ist man oft verleitet, zu glauben, den Werbeslogan eines x-beliebigen Automobilherstellers (oder vielleicht doch eines Diätyoghurtproduzenten?) zu zitieren, verwendet man obiges Sprichwort. In Wahrheit plädierte aber schon fünf Jahrhunderte vor Christi Geburt kein Geringerer als der weise Konfuzius für eine Huldigung der Entschleunigung. Als ob die Sänften, Rikschas, Ochsen- und Pferdewagen in der Epoche der Ming-Dynastie so rasant unterwegs gewesen wären ...

Der gerade lautlos in unser Leben tretende Sommer mit der kollektiven Sehnsucht nach Entschleunigung einerseits und der Wehmut, sich von zu Hause zu entfernen, andererseits ist Anlass, Facetten humaner Fortbewegungsarten zu hinterfragen. Auskunft geben nachfolgende, von Enthusiasten ihres Metiers mit Akribie geführte Fahrtenbücher.

Denkmal für einen Sportwagen

Jahrzehntelang hatte vor allem der männliche Teil der Spezies des exotischen Bergvolks der Österreicher verinnerlicht, was das geniale Duo Qualtinger/Bronner kabarettistisch dem Herrn Travnicek leicht überspitzt in den Mund gelegt hatte: "I waaaß zwar no net, wo i hinfahr, aber mitm Automobü bin i vü schnöller durt". Und das lag eher an der prinzipiellen Orientierungslosigkeit als an einem fehlgeleiteten Navi. Ideal zum Schneller-dort-Sein eignen sich von jeher Sportwagen wie der Porsche 365. René Staud hat ihm bibliophil ein Denkmal gesetzt. Opulent inszenierte er auf 240 Seiten, was die Faszination des Speed-Stars ausmacht. Opulent bebildert, reich an Facetten, detailliert recherchiert, schön zu betrachten.

Aber wie sagte schon Falco selig, der einzige Weltstar der Popkultur austriakischer Provenienz, der dieser Apostrophierung nicht spottete: "Das Leben ist Veränderung." Und zweifelsfrei steht heute fest, dass Chromjuwelen wie das vorhin genannte Spritfresser, Abgasmeister und hiermit verantwortlich für Schäden und Sünden an Natur und Umwelt sind. Dementsprechend steigt die Nachfrage, das Leben – und auch die Mobilität – Richtung Nachhaltigkeit ins Positive zu verändern. Alternative Antriebsstoffe wie Biogas, Rapsöl, Diesel und Elektrizität sind probate Variablen und Varianten.

Radtouren

Eher der körperlichen Fitness denn der Bequemlichkeit, als Couch-Potato zu enden, geschuldet sind die beiden Bände über Radtouren. Als Anleitung zur Aktivierung dieser Aktivität verstehen Günter Standl, Sven Bremer, Armin Herb und Daniel Simon ihre Bücher. Sie beschreiben klassische Velos, E- und Mountain-Bikes und dekuvrieren, welche Routen für Normalos, für Enthusiasten, Masochisten und Sich-selbst-Quälende geeignet sind. Rennradtouren und Hüttentouren in Europa sind eigentlich die ideale Lektüre für Pedalritter ohne Furcht und Adel – moderner Prägung.

Der zweifellos umweltschonendsten Variante der Fortbewegung huldigt schon des Längeren Duncan J. D. Smith. Er ist stets per pedes unterwegs. Nach seinen bereits legendären Fußmärschen durch Wien, Berlin, Hamburg, Prag und Budapest brachte er nun auch seine jüngsten Expeditionen zu Papier. Mittels seines aufregend unaufgeregten Erzählstils verleitet er, nein, verführt er dazu, Exzentrisches und Unbekanntes Nur in Paris sowie Nur in Zürich zu erkunden.

Per Pedes

Zu Fuß, versteht sich. Smith ist ein Flaneur im besten, im literarischen sowie im wortwörtlichen Sinne. Entschleunigung nicht um der Entschleunigung willen, sondern aufgrund des Bewusstseins, der inneren Ruhe, in der ja bekanntlich die Kraft liegt. Viele Erfahrungen hat er – wortwörtlich – ergangen, nicht erfahren. Ausnahmen bestätigen die Regel: mit Öffis wie der Pariser Métro oder historischen sowie hypermodernen Straßenbahnen.

However. Wege, Pfade und Verkehrsmittel gibt es also in unterschiedlicher Art. Und die beste aller Alternativen bietet de facto also doch – immer noch – die Natur. Final bleibt einem einmal mehr übrig, sich zurückzulehnen, den besten aller All-time-ORF-Slogans "Alles bleibt besser" zu insinuieren und Reisen im Kopf zu unternehmen. Immer mit der Ruhe ... Denn wie heißt das omnipotente Zauberwort mit Double-T, das sogar Ewig-Kind-Gebliebene kennen? Richtig: "Bitte", aber sicher nicht "flott"! (Gregor Auenhammer, Rondomobil, 16.7.2015)

René Staud: "My Porsche Book". € 68,- / 240 Seiten. Delius-Klasing-Verlag, Bielefeld 2015.

Günter Standl, Sven Bremer: "Die schönsten Rennradtouren in Europa". € 25,60 / 160 Seiten. Delius-Klasing-Verlag, Bielefeld 2015.

Armin Herb, Daniel Simon: "Die schönsten Hüttentouren für Mountainbiker". € 25,60 / 160 Seiten. Delius-Klasing-Verlag, Bielefeld 2015.

Duncan J. D. Smith: "Nur in Paris". € 22,- / 248 Seiten. Christian-Brandstätter-Verlag, Wien 2015.

Duncan J. D. Smith: "Nur in Zürich". € 22,- / 248 Seiten. Christian-Brandstätter-Verlag, Wien 2015

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