Weniger Anzeigen, weniger Verurteilungen

14. Juli 2015, 13:25
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Im Vorjahr waren erstmals weniger als 100 Jugendliche in Haft

Wien – Gemessen an der Zahl von Strafanzeigen und gerichtlichen Verurteilungen ist Österreich im Vorjahr ein wenig sicherer geworden. Beide Kennzahlen der Kriminalitätsbelastung haben abgenommen, wie der am Dienstag im letzten Ministerrat vor der Sommerpause präsentierte Sicherheitsbericht verdeutlicht: 527.692 Anzeigen bedeuten um 3,4 Prozentpunkte weniger als 2013, bei Verurteilungen (33.930) gab es einen Rückgang um 3,6 Prozent.

Was Justizminister Wolfgang Brandstetter besonders hervorhob: Erstmals sei im Vorjahr die Zahl von inhaftierten Jugendlichen auf unter 100 – nämlich 99 – gesunken. Mittlerweile (Stand 14. Juli) sind es zwar wieder 121, die Tendenz sei dennoch abnehmend. "Und das unterstreicht die gute Arbeit unserer Jugend-Taskforce", sagte Brandstetter. Wie der STANDARD berichtete, hatten die Vergewaltigung eines 14-jährigen Häftlings im Mai 2013 in der Justizanstalt Wien-Josefstadt und daraufhin bekanntgewordene Übergriffe in anderen Gefängnissen Reformen bewirkt.

Konferenzen zur Haftvermeidung

So werden mittlerweile bundesweit Sozialnetzkonferenzen angeboten. Seit Sommer 2013 hat der Bewährungshilfeverein Neustart im Probebetrieb 64 Haftvermeidungskonferenzen durchgeführt. Diese waren in 42 Fällen erfolgreich, führten zu einer Enthaftung und bisher zu keinem Rückfall. Anfang 2015 wurden auch Wohngruppen für minderjährige Tatverdächtige eingerichtet, denen damit die U-Haft erspart werden soll.

Insgesamt saßen im Vorjahr 8886 Menschen in heimischen Gefängnissen, davon 553 Frauen. Der Anteil der Ausländer an allen Gefangenen stieg in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich an und erreichte mit Stichtag 1. September 2014 seinen Höchststand mit 4522 Personen.

113 Euro pro Hafttag

Der durchschnittliche Nettoaufwand pro Tag und Insasse in den Justizanstalten betrug 113 Euro. Die durchschnittliche U-Haft-Dauer stieg von 71,9 auf 74 Tage, die durchschnittliche Haftdauer von 8,9 Monaten im Jahr 2013 auf 9,6 Monate im Vorjahr. Verkürzt hat sich wiederum die Verfahrensdauer: Der bundesweite Median betrug im Vorjahr laut Sicherheitsbericht der Justiz 1,1 Monate.

Rund ein Drittel der Verurteilten stand binnen vier Jahren wieder vor Gericht – die Wiederverurteilungsquote von den im Jahr 2010 verurteilten oder entlassenen Personen lag bei 34 Prozent. "Immerhin haben zwei Dritte der Verurteilten seither keine strafbare Handlung mehr getätigt – eine recht positive Bilanz", meinte der Justizminister.

Meistens Vermögensdelikte

Bei den meisten Menschen, die mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt kommen, geht es ums Geld: Vermögensdelikte wie Diebstahl, Raub oder Betrug machen mehr als ein Drittel aller Verurteilungen aus. Rang zwei in der Verurteilungsstatistik des Vorjahres nahmen Delikte gegen Leib und Leben (18 Prozent) ein, dicht gefolgt von Suchtgiftdelikten (15,5 Prozent). (APA, simo)

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