Sechsjährige in Tirol vergewaltigt: Neun Jahre für Briten

14. Juli 2015, 13:19
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Urteil vorerst nicht rechtskräftig – Richter: "Es ist nicht möglich, ein angemessenes Urteil für so eine Tat zu finden"

Innsbruck – Ein britischer Elitesoldat ist am Dienstag am Innsbrucker Landesgericht wegen des Verbrechens der Vergewaltigung und des schweren sexuellen Missbrauchs zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Der 30-Jährige soll Ende November in Neustift im Stubaital in ein Einfamilienhaus eingedrungen sein und sich an einem sechsjährigen Mädchen vergangen haben. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Die Verteidigung meldete Berufung an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Richter Norbert Hofer meinte in Richtung des Angeklagten, dass es der "übelste Missbrauch des körperlichen Wohls eines Kindes und Hausrechts der Familie" gewesen sei. Er habe sexuelle Handlungen gesetzt, die schwerlich zu überbieten seien. "Es ist nicht möglich, ein angemessenes Urteil für so eine Tat zu finden", betonte der Richter.

Außerdem gebe es mit dem "Adventure Camp" der britischen Armee, das jedes Jahr im Stubaital stattfindet und an dem auch der 30-Jährige teilgenommen hatte, immer wieder Probleme. Auch heuer sei bereits wieder der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegenüber einem Soldaten erhoben worden. "Mit diesem strengen Urteil wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir ein derartiges Verhalten nicht tolerieren", meinte Hofer.

Angeklagter bekannte sich schuldig

Der Angeklagte hatte sich zu Prozessbeginn schuldig bekannt. Er könne sich an die Vorfälle in jener Nacht jedoch großteils nicht mehr erinnern, meinte der Brite. Am Abend habe er mit ein paar Freunden "einiges" getrunken, erklärte der Mann. Warum er jedoch alleine die Bar verlassen habe und in das Haus eingedrungen sei, wisse er nicht mehr.

Der Vater der Sechsjährigen war in jener Nacht durch Geräusche geweckt worden und hatte den 30-Jährigen ertappt. Ein spurenkundliches Gutachten der Gerichtsmedizin Innsbruck hatte die Aussagen des Mädchens bestätigt.

Verteidiger Laszlo Szabo verwies indes auf die schwierige Kindheit des Angeklagten und dessen Einsatz in Afghanistan. Der Brite habe ein "Broken-Home-Syndrom" und eine posttraumatische Belastungsstörung, meinte der Verteidiger. Der 30-Jährige erzählte indes auch von regelmäßigen sexuellen Übergriffen innerhalb der britischen Armee.

Entschuldigung bei Eltern

Dem sechsjährigen Mädchen gehe es soweit wieder gut, meinten die als Zeugen geladenen Eltern vor Gericht. In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Brite schließlich bei den im Gerichtssaal anwesenden Eltern. "Ich übernehme die volle Verantwortung für meine Taten und möchte mich bei dem Mädchen und seiner Familie entschuldigen", sagte der Soldat.

Nach dem Schuldspruch gegen den Soldaten ist am Dienstag ein weiterer Missbrauchsvorwurf gegen einen seiner Kameraden bekannt geworden. Der Richter hatte in seiner Urteilsbegründung gesagt, dass es im Rahmen des "Adventure Camp" der britischen Armee zu einem zweiten Übergriff gekommen war. Der Verdächtige soll versucht haben, eine schlafende Frau zu missbrauchen. Die österreichischen Behörden hatten Großbritannien um Übernahme der Strafverfolgung gebeten, deshalb werde es in Österreich zu keinem Verfahren kommen. (APA, 14.7.2015)

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