"Unhackbares" Turing-Smartphone: Handy-Revolution oder heiße Luft?

14. Juli 2015, 18:01
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Krypto-Chip soll System perfekt absichern, Liquidmorphium für enorme Stabilität, Nanobeschichtung für Wasserdichtigkeit

Verheißungsvolle Versprechen sind im Tech-Business nichts Neues. Regelmäßig werben Hersteller damit, die schnellste Hardware in ihrem Smartphone zu nutzen, die beste Kamera zu bieten oder neue Sicherheitsstandards zu setzen. Das Unternehmen Turing Industries ist dabei keine Ausnahme.

Was die kaum bekannte Firma mit ihren kommenden Mobiltelefonen schaffen will, klingt geradezu revolutionär. Dabei aber auch längst nicht immer glaubwürdig.

Smartphones und Volkswägen

Als perfektes Abbild eines genialen Superbösewichts mit dem Flair eines verrückten Wissenschafters beschreibt Wired Syl Chao, den CEO von Turing Industries. "Nicht jeder will einen Volkswagen fahren", erklärt dieser das Konzept der Geräte, an denen sein Unternehmen arbeitet. "Es gibt Leute, die mögen Aston Martins, Lamborghinis und Ferraris. Aber im Moment sind die meisten Smartphones Volkswägen."

Äußerlich wirken die Turing-Phones denn auch futuristisch. Hochtrabend wie die Versprechungen sind auch die Namen der Modelle. Das erste Trio trägt die Namen "Pharaoh", "Cardinal" und "Beowulf". Ein viertes Gerät, "Black Dragon", soll folgen. Es gibt keinen USB-Port oder Kopfhörerausgang, sondern einen proprietären "Wallaby Magstream"-Magnetanschluss, der ein wenig an den MagSafe des MacBooks erinnert.

Liquidmorphium und "unhackbares" System

Doch das soll nicht das Hauptverkaufsargument für das Gerät sein. Chao verspricht, dass die Turing-Phones durch ein neuartiges Rahmenmaterial, eine Legierung genannt "Liquidmorphium", praktisch "unverbiegbar" seien, wie ein Firmensprecher bereits im April gegenüber The Next Web wissen ließ. Außerdem ist das Gerät dank einer Nanobeschichtung wasserdicht. Das Nass kann zwar ins Gerät eindringen, soll dort aber keinen Schaden anrichten können.

Auch im Bereich Sicherheit wird viel versprochen. Ein eigener Krypto-Chip ist in die Smartphones integriert, die wichtigsten Apps sollen über Ende-zu-Ende-Verschlüsselung funktionieren. Überhaupt soll das auf Android 5.1 basierende System "unknackbar" sein. Eine Ansage, von der viele Hersteller von Hardware und Software schon seit Jahren Abstand nehmen, konnten findige Hacker doch früher oder später immer einen Weg finden, in jedes angeblich noch so sichere System einzubrechen.

Rein technisch gesehen ist hundertprozentige Sicherheit nie zu gewährleisten. Und von der Firmware kann Turing Industries derzeit noch nicht mehr herzeigen als ein paar Homescreens. Und noch eine weitere Neuerung sollen die Turing-Produkte bringen. Man will eine eigene Kryptowährung, den Turing Coin, etablieren. Alle Funktionen sollen sich per Fingerabdruckscan absichern und nutzen lassen.

Revolutionäre Akku-Technologie soll folgen

Die Verschlüsselung, Liquidmorphium und die Nanobeschichtung seien das "GPS, WLAN und die Kamera der Smartphone-Frühzeit", erklärt Chao. Damals hätten sich viele gefragt, wozu man das benötigen würde, heute seien die Funktionen Standard. Apple, sagte er, denkt derzeit genau über die gleichen Fortschritte nach.

Langfristig träumt man davon, einen Roboter-Butler zu bauen, der mit der nächsten Evolutionsstufe künstlicher Intelligenz ausgestattet sein soll. Chao spricht von einer "künstlichen Wahrnehmungsmaschine". Und in acht Monaten soll eine neue Akku-Technologie präsentationsreif sein, mit der man "die Welt verändern" will.

Bescheidenheit scheint eher nicht in Chaos Natur zu liegen. Die Turing-Phones sind allerdings nicht sein erstes hochambitioniertes Projekt. Ein unhackbares Android-Gerät wollte er schon 2013 bauen, damals unter dem Titel "QSAlpha Quasar IV". Das Projekt, so berichtet CNet, konnte allerdings kaum Fahrt aufnehmen und ist nie erschienen. Die hehren Versprechungen wecken zudem Erinnerungen an eine Crowdfunding-Kampagne für ein dubioses schwimmendes Handy namens "Comet Core".

Spezifikationen

Die neuen Geräte sollen allerdings noch im Laufe des Sommers erscheinen und 600 Dollar aufwärts kosten. Zum Erstling sind die Spezifikationen bereits online gelistet. Er ist mit einem Snapdragon-801-Chip (Quadcore, 2,5 GHz) nebst drei GB RAM ausgerüstet, verfügt je nach Modell über 16, 64 oder 128 GB an Speicher, ein angepasstes RFID-Modul, den angekündigten Kryptopchip sowie ein 5,5-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung. Der nicht wechselbare Akku wird mit 3.000 mAh angegeben, die Kameras sollen 13 beziehungsweise acht Megapixel liefern. Ab 31. Juli will Turing Industries Vorbestellungen entgegennehmen. (gpi, 14.7.2015)

  • Das Turing-Phone, Modell "Cardinal".
    foto: turing industries

    Das Turing-Phone, Modell "Cardinal".

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    foto: turing industries
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