Riesige Reserven: Apple könnte Griechenland zweimal retten

Analyse14. Juli 2015, 10:41
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Der IT-Konzern verfügt über mehr als 194 Milliarden Dollar, wäre als Staat im reichsten Drittel der Welt

Apple wird zusehends zum Dagobert Duck unter den IT-Konzernen: Dank iPhone, iPad und Co florieren die Einnahmen des Herstellers, der mit einer riesigen Gewinnspanne produziert. So wurde bekannt, dass 92 Prozent aller Gewinne, die am Smartphone-Markt erzielt werden, an Apple gehen – und das, obwohl Samsung mehr Geräte verkauft. Wired hat nun Apples Geldreserven analysiert und festgestellt, dass der Konzern aus Cupertino sage und schreibe 194 Milliarden Dollar bunkert. Apple ist damit das reichste Unternehmen der Welt.

Reicher als Neuseeland und Vietnam

Um sich die Zahlen vor Augen zu halten, taugt ein Vergleich mit den EU-Verhandlungen zu Griechenland: Nach einem stundenlangen Sitzungsmarathon einigten sich die Regierungschefs, dem krisengebeutelten Land unter härtesten Auflagen rund 86 Millionen Euro zu leihen, sollten alle Bedingungen erfüllt werden. Apple könnte den aktuell geplanten Rettungsschirm für Griechenland, der EU-Staatschefs wochenlang beschäftigte, also doppelt aus eigener Tasche bezahlen. Wäre der IT-Konzern selbst ein Staat, rangierte er auf Rang 54 der reichsten Länder – noch vor Neuseeland oder Vietnam.

Rückzahlung an Aktionäre

Was macht Apple mit seinen Milliarden? Der Großteil davon soll laut Wired in Regierungs- und Firmenanleihen investiert worden sein. Eine eigene Investmentgruppe kümmert sich um die Reserven. Allerdings will Apple nach eigenen Angaben 2017 rund 200 Milliarden Dollar an seine Aktionäre ausschütten. In den vergangenen Monaten war es dazu von mehreren Investoren aufgefordert worden. Die US-Politik hatte indes kritisiert, dass der Wirtschaft enorme Summen durch das Horten des Geldes entzogen würden. Apple sollte entweder in riskante Forschungsprojekte investieren oder das Geld auszahlen, so einige Senatoren.

Sonderwirtschaftszone?

Dass Apple tatsächlich Griechenland retten sollte, geistert als mehr oder weniger lustiger Schmäh schon seit Monaten durchs Netz. Bloomberg widmete dem Gedanken im Mai eine längere Analyse und plädierte dafür, das Gedankenspiel ernsthaft zu überlegen. So könnten erfolgreiche US-Techfirmen im Gegensatz für ihr Investment mit einer Art Sonderwirtschaftszone in Griechenland belohnt werden – was wiederum die Wirtschaft in Griechenland ankurbeln könnte. Realität wird das nie werden. Aber immerhin hat Apple griechischen Nutzern angeboten, iCloud ein Monat gratis zu benutzen. (fsc, 14.7.2015)

  • Apple sitzt auf 194 Milliarden Dollar
    foto: reuters/stapleton

    Apple sitzt auf 194 Milliarden Dollar

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