Flucht von "El Chapo": Gefängnisdirektor verliert seinen Job

14. Juli 2015, 17:17
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Regierung setzt Belohnung von umgerechnet 3,5 Millionen Euro aus

Mexiko-Stadt – Nach der filmreifen Flucht des Drogenbosses Joaquin "El Chapo" Guzman aus einem Hochsicherheitsgefängnis hat die mexikanische Regierung umgerechnet 3,5 Millionen Euro Belohnung auf Hinweise zu seiner Ergreifung ausgesetzt. Zwei Tage nach Guzmans Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis wurden zudem der Gefängnisdirektor und der Chef der Strafvollzugsbehörde gefeuert.

Der Drogenboss müsse bei seiner Flucht Helfer unter den Gefängnismitarbeitern gehabt haben, sagte Innenminister Miguel Angel Osorio Chong am Montag (Ortszeit). Guzman, zeitweise der meistgesuchte Verbrecher der Welt und milliardenschwerer Chef eines weltumspannenden Drogenkartells, war am Samstagabend durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel unter seiner Zellendusche aus dem Gefängnis getürmt – obwohl seine Zelle rund um die Uhr mit Videokameras überwacht wurde und er zudem eine elektronische Fessel trug.

Wie Innenminister Osorio Chong sagte, gab es in der Zelle aus Gründen der Privatsphäre allerdings "zwei tote Winkel", die nicht per Kamera überwacht wurden. Die elektronische Fußfessel habe zudem nur innerhalb der Gefängnismauern funktioniert.

Guzmans Anwälte verhört

Nach Angaben von Generalstaatsanwältin Arely Gomez wurden bisher 34 Gefängnismitarbeiter und 17 Häftlinge von den Ermittlern verhört. Unter den Befragten waren nach Angaben aus Justizkreisen die für Guzmans Zelle zuständigen Wächter und die Gefängnismitarbeiter, die die Videoüberwachung auswerteten. Vernommen wurden zudem zwei Anwälte Guzmans. Verhört werden soll auch der Besitzer des Grundstücks, auf dem der Fluchttunnel in einem Rohbau endete sowie alle Besucher Guzmans während seiner 17-monatigen Haft.

Der Innenminister forderte die Mexikaner auf, den Behörden bei der Suche nach Guzman zu helfen. Hinweise bei einer eigens eingerichteten Hotline würden vertraulich behandelt. Die ausgesetzte Belohnung in Höhe von umgerechnet 3,5 Millionen Euro ist das Doppelte der Summe, die die Regierung normalerweise für Hinweise auf Drogenbosse zahlt. "Für diesen Verbrecher wird es keine Ruhe geben", gelobte Osorio Chong. "Es wird keine Pause geben in den Anstrengungen, ihn wieder zu ergreifen."

Nicht die erste Flucht

Der Drogenbaron war im Jahr 2001 bereits ein erstes Mal aus dem Gefängnis ausgebrochen. Damals gelang ihm die Flucht, indem er sich in einem Wäschewagen versteckte. Das von Guzman angeführte Sinaloa-Kartell kontrolliert weite Teile des Drogengeschäfts in Mexiko und schmuggelt Rauschgift in die USA und bis nach Europa und Asien. Mit konkurrierenden Banden liefert es sich einen blutigen Krieg um die Kontrolle des Rauschgifthandels. Dabei wurden seit Ende 2006 nach jüngsten Angaben mehr als 80.000 Menschen getötet. (APA, 14.7.2015)

  • Der Innenminister macht sich selbst ein Bild von der Lage.
    foto: ap photo/marco ugarte

    Der Innenminister macht sich selbst ein Bild von der Lage.

  • Eine Belohnung wurde ausgesetzt.
    foto: reuters/stringer

    Eine Belohnung wurde ausgesetzt.

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