Griechenlands Sparer könnten noch bluten

14. Juli 2015, 21:29
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Athen muss rasch Bail-in-Regeln beschließen. Sparguthaben ab 100.000 Euro könnten rasiert werden

Zu den zahlreichen Auflagen, die Athen für ein drittes Hilfspaket noch diese Woche erfüllen muss, zählt auch die Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Gläubigerbeteiligung. Eine auffällige Parallele: Im Dezember 2014 hat Österreich das Regelwerk in kurzer Zeit vom Nationalrat absegnen lassen. Und: Kurz darauf wurde das Zahlungsmoratorium über die einstige Hypo Alpe Adria (Heta) verfügt.

Nun wird gemutmaßt, dass in Griechenland ähnliche Vorhaben angedacht sind. Bis zu 25 Milliarden Euro sollen aus dem Hilfsprogramm in die Geldinstitute gepumpt werden, die von den Ratingagenturen bereits als solche in Zahlungsverzug oder -ausfall gewertet werden.

Acht Prozent

Allerdings ist die Verwendung öffentlicher Gelder für Banken seit der Einführung der Bail-in-Regeln nicht einfach: Sie besagen, dass erst die Eigentümer, dann die Gläubiger und letztlich auch die Sparer einen Beitrag leisten müssen, bevor der Steuerzahler einspringt. Auch vor dem Erhalt von ESM-Geldern müssen mindestens acht Prozent der Verbindlichkeiten von Gläubigern eingetrieben werden.

Auf Griechenland gemünzt hießt das: Die ohnehin stark an Wert gesunkenen Aktionäre haben ihr Investment verloren; bei den Gläubigern ist ebenfalls nicht allzu viel zu holen, hält sich doch das Volumen an emittierten Anleihen in Grenzen. Dazu kommt, dass viele Bonds mit Staatsgarantie begeben wurden, die postwendend an die Europäische Zentralbank als Besicherung für erhaltene Liquidität weitergereicht wurden. Besicherte Anleihen dürfen für ein Bail-in aber nicht herangezogen werden.

Ab 100.000 Euro

Somit bleiben die Einlagen als Kapitalquelle. Wie schon in Zypern wird damit spekuliert, dass Sparer mit mehr als 100.000 Euro Bankguthaben geschnitten werden. Hier geht es um ein Volumen von 30 Milliarden Euro, doch die Sache ist nicht ganz einfach: Rund 20 Milliarden Euro sind Einlagen von Klein- und Mittelunternehmen, von denen ohnehin viele auf der Kippe stehen. (as, 14.7.2015)

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    foto: ap / petros giannakouris
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