Privatisierungen in Griechenland

14. Juli 2015, 08:24
518 Postings

Griechenland hat nicht einmal ein Zehntel der vereinbarten Privatisierungen durchgeführt

Wer in Athen abends in gediegener Gesellschaft Abkühlung von der Sommerhitze sucht und ein paar Tausend Euro Klimpergeld in der Tasche hat, setzt sich in die Gondel des Parnitha-Bergs und fährt schnurstracks ins Kasino. 51 Prozent hält der griechische Staat an der Spielhölle in luftiger Höhe – der ältesten des Landes –, und sie ist ebenso mondän wie schwer verkäuflich, dass sie es nicht einmal in die Vorzeigeliste der Privatisierungsbehörde geschafft hat.

Tafelsilber blieb daheim

50 Milliarden Euro sollte Athen einnehmen, so hatten es sich die Kreditgeber der Troika vorgestellt, als sie Griechenland vor fünf Jahren den ersten Milliarden-Rettungskredit gaben. Die private Hand ist grundsätzlich besser als die öffentliche, so lautet der Glaubenssatz vor allem des Internationalen Währungsfonds: Private Investoren managen rationaler und schneller als staatliche, darauf pochen Griechenlands Gläubiger. Allein, der Verkauf des Tafelsilbers geht sehr viel langsamer voran. Von den 50 Milliarden Euro hat Athen bisher nur rund 3,5 Milliarden eingenommen; auf 4,6 Milliarden aus vereinbarten Geschäften hofft die Privatisierungsbehörde HRADF noch.

Lizenz zum Reiten

Politisch heftig umstritten ist der Verkauf des Stromversorgers PPC. Dagegen stemmte sich der nun vor der Entlassung stehende Energieminister Panayiotis Lafazanis, der Wortführer der Linken in der Regierungspartei von Alexis Tsipras. Aufgegeben hat die Regierung ihren Widerstand bei der weiteren Lizenzvergabe für den Containerhafen in Piräus an die chinesische Cosco, ebenso wie bei den 14 Regionalflughäfen, die an die deutsche Fraport für 1,23 Milliarden Euro gehen. Seit Herbst 2014 gab es nur einen Deal: Für 40,5 Millionen Euro vergab der Staat im April eine 20-Jahre-Lizenz für Pferdewetten an OPAP, das früher schon privatisierte griechische Wettunternehmen.

Hotelruine weg

Eine ihrer Luxusperlen ist der Staat immerhin losgeworden: Den Astir Palace, eine Hotelbauruine im Besitz der National Bank of Greece im südlichen Athener Vorort Vouliagmenis, erwarb im vergangenen Jahr eine Investorengruppe aus den Golfstaaten und der Türkei für 400 Millionen Euro. Der angrenzende "Astir Beach" ist schon in privater Hand. Wer in Athen abends in gediegener Gesellschaft Abkühlung von der Sommerhitze sucht und 25 Euro für eine Strandliege zahlen möchte, ist dort gut aufgehoben. (Markus Bernath, 14.7.2015)

  • Warum das Casino in Athen noch nicht privatisiert wurde, bleibt im Nebel. Es gilt als schwer verkäuflich.
    foto: ap / thanassis stavrakis

    Warum das Casino in Athen noch nicht privatisiert wurde, bleibt im Nebel. Es gilt als schwer verkäuflich.

Share if you care.