Vogelschutz soll Stromleitung unter die Erde bringen

14. Juli 2015, 05:30
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Beschwerde bei der EU-Kommission: Land Salzburg bei Ausweisung von Schutzgebieten säumig.

Salzburg – Geht es nach den Gegnern der geplanten 380-kV-Leitung durch das Land Salzburg, sollen Wanderfalke, Uhu, Weißrückenspecht und viele weitere Vogelarten die unterirdische Verlegung der Leitung in Teilbereichen der Trasse erzwingen. Die Gegner des von der Verbundtochter Austrian Power Grid eingereichten Projektes zur Komplettierung des österreichischen 380-kV-Ringes – allen voran die zwei Flachgauer Gemeinden Koppl und Eugendorf sowie die Landesumweltanwaltschaft – haben Beschwerde bei der EU-Kommission eingebracht, um die Einhaltung unionsrechtlicher Verpflichtungen zu erwirken.

Die Leitungsgegner argumentieren, dass das Land Salzburg seiner Pflicht zur Ausweisung von Schutzzonen zum Aufbau eines europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 bisher nicht nachgekommen sei. Konkret geht es um das rund 520 Quadratkilometer große Gebiet "Osterhorngruppe – Kalkvoralpen", in welchem laut neuesten Erkenntnissen mindestens 28 im Rahmen der EU-Vogelschutzrichtlinie besonders geschützte Arten auftreten.

Land bremst bei Naturschutz

Dass man erst jetzt, im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung für die Leitung vom Flachgau bis ins Pinzgauer Kaprun auf die Vogelbestände aufmerksam geworden sei, erklärt Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener mit den bisher fehlenden Daten: Vor dem Projekt habe es nie die notwendige Dichte an wissenschaftlichen Untersuchungen gegeben. Wiener moniert zudem, dass das Land auch bei laufenden Anträgen für kleinere Naturschutzgebiete wie beispielsweise den nachweislich seit 250 Jahren ungenutzten urwaldähnlichen Silling-Bergwald im Gemeindegebiet von Strobl (Flachgau) die Anträge verzögere.

Letztlich gehe es bei der EU-Beschwerde aber vor allem um die 380er-Leitung, räumt der Eugendorfer Bürgermeister Johann Strasser (ÖVP) freimütig ein: "Wir werden in Österreich die erste Teilverkabelung in einem sensiblen Gebiet bekommen", sagt er.

Hohe Entschädigungen drohen

Die ressortzuständige Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler (Grüne) spricht zwar von einem "wichtigen Anliegen", hat aber Zweifel ob der Größe des Gebietes: Die 520 Quadratkilometer würden den Anteil von Natura 2000 Gebieten an der Salzburger Gesamtfläche von bisher 15 auf über 22 Prozent steigern. Zudem würden im Rahmen des in Salzburg praktizierten Vertragsnaturschutzes durch die Entschädigungszahlungen enorme Kosten auf das Land zukommen. (Thomas Neuhold, 14.7.2015)

  • Schon beim Auftakt zum öffentlichen UVP-Verfahren für den Bau der 380-kV Strom  Leitung der Verbund-Tochter Austria Power Grid im Juni  2014 machten die Leitungsgegner deutlich, worum es ihnen beim Naturschutz geht.
    foto: apa/neumayr

    Schon beim Auftakt zum öffentlichen UVP-Verfahren für den Bau der 380-kV Strom Leitung der Verbund-Tochter Austria Power Grid im Juni 2014 machten die Leitungsgegner deutlich, worum es ihnen beim Naturschutz geht.

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