Grönland: Später Sommerregen beschleunigt Gletscherschmelze

20. Juli 2015, 10:21
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Effekt dürfte Masserverlust des grönländischen Eisschildes weiter verstärken

Innsbruck/Wien – Starke spätsommerliche Regenfälle beschleunigen die Schmelze und erhöhen die Fließgeschwindigkeit grönländischer Gletscher. Dieses aus den Alpen und Alaska bekannte Phänomen wurde nun erstmals in Grönland nachgewiesen, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal "Nature Geoscience".

Die Forscher um Samuel Doyle von der britischen Aberystwyth University haben die Fließgeschwindigkeit der Gletscher an den westlichen Rändern des grönländischen Eisschilds und den Wasserdruck in den Eismassen gemessen sowie meteorologische Analysen durchgeführt. Sie verglichen dabei eine Woche mit warmen Niederschlägen aus einem Tiefdruckgebiet Ende August 2011 mit den Wochen davor.

Die sehr hohen Abflüsse von Schmelz- und Regenwasser in dieser Woche führten zu einer großflächigen Erhöhung der Fließgeschwindigkeit. Gegenüber den Wochen davor stieg diese um bis zu mehr als das Doppelte, etwa im unteren Bereich des Russell Gletschers von 0,2 auf 0,5 Meter pro Tag.

Höherer Druck, geringere Reibung

"Gletscher sind nicht eine geschlossene, kompakte Eismasse, sondern von Spalten und Kanälen durchzogen ", erklärte Thomas Nagler von ENVEO IT, einem Spin-Off-Unternehmen der Uni Innsbruck, das die Kartierung der Eis-Geschwindigkeit durchführte. Wenn sich durch heftige Niederschläge im Spätsommer die Eisschmelze verstärke und vermehrt Wasser in dieses System eingebracht werde, erhöhe sich der Wasserdruck im Gletscher, gleichzeitig verringere sich die Reibung zwischen Eis und Untergrund.

Die Folge sei die beobachtete Erhöhung der Fließgeschwindigkeit, so der Experte. Es ist zu erwarten, dass dieser Effekt die Massenverluste des grönländischen Eises mit zunehmender Klimaerwärmung noch weiter verstärken wird. (APA, red, derStandard.at, 20.7.2015)

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