Iran: Prozess gegen "Washington Post"-Korrespondenten fortgesetzt

13. Juli 2015, 16:04
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Verhandlung wieder hinter verschlossenen Türen

Teheran – Im Iran ist der Prozess gegen den "Washington Post"-Korrespondenten Jason Rezaian fortgesetzt worden. Die Verhandlung des Falls wurde am Montag vor dem Revolutionsgericht in Teheran hinter verschlossenen Türen wieder aufgenommen, wie die amtliche Nachrichtenagentur ISNA berichtete. Dem 39-jährigen Journalisten werden unter anderem Spionage und Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen vorgeworfen.

Rezaian und seine iranische Frau Yeganeh Salehi waren im Juli 2014 in ihrem Haus in Teheran festgenommen worden. Salehi, die ebenfalls Journalistin ist, wurde im Oktober gegen Kaution freigelassen. Ihr Mann sitzt immer noch im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran in Haft. Rezaian besitzt die iranische und die US-Staatsbürgerschaft. Die US-Regierung forderte wiederholt seine Freilassung.

Journalist als "Spielfigur"

Der Prozess hatte im Mai begonnen. Am zweiten Verhandlungstag Anfang Juni hatte Rezaian erstmals die Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen. Nach Angaben von Rezaians Anwältin Leila Ahsan gibt es für die Anschuldigungen gegen den Journalisten "keine Beweise". Die "Washington Post" und seine Familie werfen dem Iran vor, Rezaian als "Spielfigur" in den Verhandlungen um das iranische Atomprogramm zu benutzen. Die Atomverhandlungen sollten am Montag in Wien in die Zielgerade gehen. Ziel ist ein Abkommen, das dem Iran die zivile Nutzung der Atomtechnologie erlaubt, aber die Entwicklung von Atomwaffen verhindert.

Das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran ist seit Jahrzehnten gespannt. 1980 wurden die diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Allerdings verbesserte sich das Verhältnis mit dem Amtsantritt des gemäßigten Präsidenten Hassan Ruhani 2013. Das angestrebte Atomabkommen stößt sowohl im Iran als auch in den USA auf Widerstand. Im Iran stemmt sich das ultrakonservative Lager gegen Zugeständnisse an den Westen und eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA. In Washington lehnen vor allem die Republikaner eine Aufhebung der Sanktionen gegen Teheran ab. (APA, 13.7.2015)

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