KHM zeigt monumentale Wandteppiche aus dem 16. Jahrhundert

14. Juli 2015, 11:02
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Die Sonderschau "Fäden der Macht" zeugt ab 14. Juli von der prachtvollen Bildwirkerei der Brüsseler Schule

Wien – Eine Ausstellung mit 14 Werken – das klingt erst einmal wenig imposant. Nicht jedoch, wenn es sich bei den Exponaten um monumentale Wandteppiche der Brüsseler Schule des 16. Jahrhunderts handelt. Davon hat das Kunsthistorische Museum (KHM) in Wien mit 750 Objekten den zweitgrößten Bestand weltweit und zeigt nun eine Auswahl davon in der Sonderschau "Fäden der Macht".

"Die Tapisserien haben eine physische Präsenz, der man sich kaum entziehen kann", sagt Kuratorin Katja Schmitz-von Ledebur über die mitunter acht mal fünf Meter großen Exponate. Wie überdimensional sich der Wandschmuck selbst in den großzügigen Räumen des KHM ausnimmt, zeigt der Umstand, dass Ferngläser für die Besucher bereitstehen, um Details aus den oberen Regionen der in leichter Schräglage montierten Arbeiten zu erfassen. Durch die ungewohnte Anbringung entlastet man die bis auf eine allesamt aus Brüssel stammenden Tapisserien etwas von ihrem eigenen Gewicht.

kunsthistorisches museum wien

Weltweit zweitgrößte Sammlung

Nur die spanische Krone besitze mehr Tapisserien als das KHM, so Museumsdirektorin Sabine Haag. Schließlich waren die gewirkten Bilder zu ihrer Entstehungszeit aufgrund der aufwendigen Handarbeit und Verwendung von Gold- und Silberfäden alles andere als Schnäppchen.

Die mythologischen und kriegerischen Szenen werden in der KHM-Schau notwendigen Vormaterialien im Entstehungsprozess gegenübergestellt, etwa einem Holzschnitt, der als Vorlage für die nicht realisierte Serie "Sitten und Gebräuche der Türken" hätte dienen sollen. Einzig der konkrete Herstellungsprozess der gewirkten Teppiche wird leider nur kursorisch beleuchtet.

Dafür konfrontiert man die knapp 500 Jahre alten Arbeiten mit zeitgenössischen Werken, wenn Margret Eicher die alte Technik mit modernen Kriegsszenarien und archaischen Dinosauriern imitiert oder Nives Widauer auf ein altes Stück Tapisserie den Film einer Frau projiziert.

Aber nicht nur mittels der Tapisserien würdigt man derzeit im KHM die belgische Kunst, auch die begonnene Partnerschaft "Flandern zu Gast" wird fortgesetzt. Nachdem bereits Museen aus Brügge und Mechelen Werke im KHM für begrenzte Zeit zeigten, ist nun das Museum Voor Schone Kunsten in Gent an der Reihe. Das "Diptychon mit Margarete von Österreich in Anbetung der Madonna mit Kind", entstanden um 1500, ist für ein Jahr in der Kunstkammer zu sehen. (APA, red, 14.7.2015)

  • Tapisserie aus der Serie "Die sieben Todsünden". Entwurf: Pieter Coecke van Aelst um 1533/34. Hergestellt unter Willem de Pannemaker, Brüssel, um 1548/49.
    foto: khm-museumsverband

    Tapisserie aus der Serie "Die sieben Todsünden". Entwurf: Pieter Coecke van Aelst um 1533/34. Hergestellt unter Willem de Pannemaker, Brüssel, um 1548/49.

  • Herkules schlägt mit der Keule die Köpfe der lernäischen Hydra ab. Hergestellt unter Michiel van Orley, Oudenaarde, um 1550/65.
    foto: khm-museumsverband

    Herkules schlägt mit der Keule die Köpfe der lernäischen Hydra ab. Hergestellt unter Michiel van Orley, Oudenaarde, um 1550/65.

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