Russland: Kaserne stürzt ein, Behörden ermitteln wegen Pfuschs

13. Juli 2015, 17:25
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23 Tote in Omsk – Laut Medienbericht wurden Alkoholiker und Drogenabhängige zur Renovierung herangezogen

Mindestens 23 Menschen sind beim Teileinsturz einer Kaserne im westsibirischen Omsk ums Leben gekommen. 19 weitere Soldaten wurden verletzt, zwölf davon lebensgefährlich. Ein Teil der Verletzten wurde bereits in spezialisierte Militärkrankenhäuser nach Moskau ausgeflogen, andere in Omsk operiert.

Obwohl der Gesundheitsminister der Region Omsk Andrej Storoschenko versicherte, dass es ausreichend Blutkonserven und Medikamente zur Versorgung der Verletzten gebe, rief Gouverneur Wiktor Nasarow die Regierungsmitglieder zum Blutspenden auf, "damit sich Beamte und Angestellte der Behörden ein Beispiel an ihnen nehmen".

Soldaten im Schlaf überrascht

Das vierstöckige Gebäude, ein Ausbildungszentrum der Luftlandetruppen, war in der Nacht zum Montag eingestürzt. Zum Zeitpunkt der Katastrophe befanden sich 337 Soldaten in der Kaserne, die meisten wurden im Schlaf überrascht. Stundenlang waren rund 300 Rettungshelfer mit den Such- und Räumarbeiten beschäftigt, ehe am Nachmittag alle Opfer aus den Trümmern in Omsk befreit waren.

Noch in der Nacht war eine hochrangige Delegation des Verteidigungsministeriums aus Moskau zum Unglücksort geflogen. Am Montag musste dann auch Verteidigungsminister Sergej Schoigu seinen Urlaub abbrechen, um Präsident Wladimir Putin über den Stand der Bergungsarbeiten zu informieren. Putin selbst drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus, weitere Kommentare zur Katastrophe gab es aus dem Kreml bisher nicht.

Verfahren eingeleitet

Dafür ist das Ermittlungskomitee bereits aktiv. Die Behörden haben ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. "Wie immer haben Hemdsärmeligkeit und Verantwortungslosigkeit zu der Tragödie geführt", erklärte Behördensprecher Wladimir Markin. Den Schuldigen drohte er mit bis zu zehn Jahren Haft. Das Ermittlungskomitee überprüft vor allem Informationen über Verfehlungen bei der Renovierung.

Hinweise über eine unsachgemäße Reparatur gibt es: Ein Bauarbeiter berichtete dem russischen Boulevardsender LifeNews, dass zur Renovierung der Kaserne Alkoholiker und Drogenabhängige aus einem Rehabilitierungszentrum herangezogen worden seien. Die Männer hätten über keinerlei Qualifikation verfügt und seien einzig mit Kost entlohnt worden. Allein in seiner Brigade seien 35 bis 40 solcher Hilfsarbeiter beschäftigt worden, sagte er.

Bauorganisation weist Schuld von sich

Das Gebäude war erst im Dezember 2013 übergeben worden. Die mit dem Kasernenbau beauftragte Bauorganisation des Verteidigungsministeriums Spezstroi hat schon die Verantwortung von sich geschoben: Bei der Übergabe habe das Verteidigungsministerium alles überprüft. "Dabei hat die Kommission Risse im Putz und die Anbringung der Leisten beanstandet, nicht aber die tragende Konstruktion des Hauses", heißt es in einer Mitteilung.

Korruptionsfälle im russischen Verteidigungsministerium sind nicht neu: Schoigus Vorgänger Anatoli Serdjukow musste gar 2012 wegen einer großen Korruptionsaffäre seinen Posten räumen. (André Ballin aus Moskau, 13.7.2015)

  • 19 Männer konnten aus dem eingestürzten Gebäude gerettet werden.
    foto: reuters/dmitry feoktistov

    19 Männer konnten aus dem eingestürzten Gebäude gerettet werden.

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