Titel verteidigt: King Roger kniet vor Djokovic

12. Juli 2015, 18:32
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Dem Serben gelingt in einem spannenden Finale gegen Roger Federer die Titelverteidigung am heiligen Rasen in Wimbledon – Peya scheitert im Mixed-Finale

London – Am Ende hat Novak Djokovic zum dritten Mal "ins Gras gebissen". Ein Ritual, das der 28-jährige Serbe nach seinem neuerlichen Wimbledonsieg gerne wiederholte. Der Weltranglistenerste verteidigte am Sonntag seinen Titel bei den All England Tennis-Championships erfolgreich und rang auf dem "heiligen Rasen" den 33-jährigen Roger Federer nach 2:55 Stunden mit 7:6 (1), 6:7 (10), 6:4, 6:3 nieder.

Djokovic verhinderte damit wie im Vorjahr den achten Titel des Schweizers an der Church Road, eines der großen verbliebenen Ziele des 17-fachen Major-Siegers. Für den "Djoker" war es sein insgesamt neunter Grand-Slam-Triumph. Er zog damit in Wimbledon auch mit seinem prominenten Betreuer, Boris Becker, gleich. Der erste von drei Wimbledonsiegen des Deutschen hatte sich dieser Tage zum 30. Mal gejährt.

Djokovic feierte seinen sechsten Turniersieg in diesem Jahr und untermauerte seine Nummer-1-Position. Bei den bisherigen Grand-Slam-Turnieren 2015 hatte er die Australian Open gewonnen, seinen Karriere-Grand-Slam in Paris (Final-Niederlage gegen Stan Wawrinka) aber noch verpasst.

"Ein ergreifendes Gefühl"

Im neuerlichen Major-Endspiel gegen einen Schweizer ließ sich Djokovic letztlich aber nie wirklich in Gefahr bringen. Am Ende kassierte der Dominator des Jahres einen Siegerscheck in Höhe von 1,88 Millionen Pfund (2,61 Millionen Euro), Federer erhielt die Hälfte. Im Head-to-Head der beiden Topstars steht es nach nun 40 Begegnungen 20:20.

"Es ist ein ergreifendes Gefühl, diesen Pokal wieder in Händen zu halten", freute sich Djokovic, der wieder große Worte des Respekts für Federer hatte. "Es ist immer ein großes Privileg, gegen Roger überhaupt spielen zu dürfen, gerade hier in Wimbledon. Er ist einer, zu dem viele Sportler meiner Generation aufblicken", sagte der nun 54-fache Turniersieger. "Roger spielt hier immer am besten, man muss hart arbeiten, dass man überhaupt seine Chancen bekommt." Nach dem Matchball hatte Djokovic wieder ein Stück des "heiligen Rasens" in den Mund genommen. "Ich habe schon als Kind geträumt, hier einmal zu gewinnen. Es ist ein bisschen zum Ritual geworden", erklärte der Serbe.

Federer verbarg seine Enttäuschung gut, vielleicht auch, weil er an diesem Tag vom Sieg einfach zu weit weg gewesen war. "Novak war zu gut. Ich hatte meine Chancen im ersten Satz, als ich ein Break voran lag, dann auch noch zu Beginn des dritten Satzes, aber am Ende war er felsenfest", erkannte Federer an. Die vielleicht wichtigste Aussage für seine Fans war aber wohl jene: "Ich bin immer noch sehr hungrig und motiviert, wer weiß, was noch kommt. Hier auf dem Center Court zu spielen ist eine große Ehre. Ich hoffe, ich sehe euch hier wieder", erklärte Federer, der sich auch bei seinem Betreuer Stefan Edberg bedankte.

Spannender Beginn

Der Schwede hatte seinen Schützling zunächst im ersten Satz mit einem Break zum 4:2 in Führung gehen gesehen, doch Federer musste postwendend sein Service abgeben. Danach ging es mit dem Aufschlag ins Tiebreak, allerdings vergab Federer bei 6:5 zwei Break- und somit Satzbälle. Im Tiebreak war dann Djokovic klar besser. Auch im zweiten Durchgang war der Serbe der 2:0-Satzführung weit näher als Federer. Schon bei 5:4 fand er den ersten Satzball vor, insgesamt sechs weitere im Tiebreak (unter anderem bei 6:3-Führung). Doch diesmal hatte Federer das bessere Ende für sich und nützte Satzball zwei nach 1:50 Stunden zum Ausgleich.

Aufstocken

Im dritten Satz gelang dem Titelverteidiger ein schnelles Break zum 2:1 und trotz einer etwa 20-minütigen Regenunterbrechung bei 3:2 ließ sich Djokovic diesen Satz nach der Pause nicht mehr nehmen. Auch im vierten Satz konnte ein doch zu fehlerhafter und zu passiver Federer, der an seine Halbfinal-Leistung gegen Andy Murray nicht anschließen konnte, nicht wie im Vorjahr noch den fünften Durchgang erzwingen. Ein Break zum 3:2 für Djokovic bedeutete die Entscheidung in diesem zehnten Wimbledon-Finale Federers.

Während Federer nun schon drei Jahre auf seinen 18. Major-Titel warten muss (zuletzt Wimbledon 2012), erhöhte Djokovic bereits auf 9. Der Serbe hat damit in der ewigen Bestenwertung Größen wie Andre Agassi, Jimmy Connors, Ivan Lendl, Fred Perry und Ken Rosewall (alle 8) hinter sich gelassen. Das nächste Grand-Slam-Turnier geht vom 31. August bis 13. September mit den US Open in Flushing Meadows in Szene.

Peya chancenlos

Alexander Peya ist es an der Seite seiner ungarischen Partnerin Timea Babos nicht gelungen, es Jürgen Melzer gleichzutun. Vier Jahre nach Melzers Mixed-Erfolg mit seiner späteren Frau Iveta Benesova mussten sich Peya/Babos am Sonntag im Endspiel doch glatt beugen. Leander Paes und Martina Hingis waren beim 6:1, 6:1 in nur 40 Minuten einfach zu stark.

Die 34-jährige Hingis, die sich schon am Samstag mit der Inderin Sania Mirza ihren insgesamt zehnten Doppel-Major-Triumph gesichert hatte, schlug mit Mirzas Landsmann Paes am Sonntag also neuerlich zu und hat aus beiden Triumphen immerhin 190.000 Pfund (263.596 Euro) lukriert. Peya/Babos teilten sich einen Scheck in Höhe von 50.000 Pfund (69.367,37 Euro). (APA, red, 12.7.2015)

  • Stark.
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  • Zu viele Fehler.
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