Terror in Ägypten: Sisis unwirksame Rezepte

Kommentar12. Juli 2015, 17:44
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Terroranschläge gehören schon längst zum Alltag in Kairo – die Regierung antwortet mit Polizei- und Militärgewalt

Wenn eine Explosion Kairo erschüttert, denkt heute niemand mehr als Erstes an eine geborstene Gasleitung. Terroranschläge gehören schon längst zum Alltag, genauer gesagt seit Mitte August 2013, seit der blutigen Entmachtung der Muslimbrüder. Viele kleinere Explosionen mit selbstgebastelten Bomben finden schon gar nicht mehr den Weg in die Nachrichten. Besonnene Stimmen hatten im heißen Sommer 2013 gewarnt, Gewalt werde Gewalt nach sich ziehen. Sie sollten recht behalten.

Die neue von der Armee gestützte Führung in Kairo kennt nur ein Rezept gegen jede Herausforderung: Aggression. Nach dem Anschlag auf das italienische Konsulat wird eine noch härtere Gangart verlangt, auch zulasten der persönlichen Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger.

Gewalt und Terror haben die verschiedensten Ursachen. Die Regierung macht allerdings keine Unterschiede in ihrer Analyse, und deshalb antwortet sie auch mit den immer gleichen Mechanismen von Polizei- und Militärgewalt. Das Resultat dieses Vorgehens war bisher ein eklatanter Misserfolg.

Die Gewalt nimmt zu und nicht ab, das gilt für die Krisenregion des Sinai genauso wie für den Umgang mit den entmachteten Muslimbrüdern, wo Teile der frustrierten Jugend auch keinen anderen Ausweg mehr sehen als Gewalt. Es wäre höchste Zeit, dass Präsident Abdelfattah al-Sisi andere Strategien zu den bisher angewendeten unwirksamen Rezepten entwickelt. (Astrid Frefel, 13.7.2015)

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