FPÖ in Wien nur noch knapp hinter SPÖ

13. Juli 2015, 05:30
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Nur 16 Prozent der Wiener wünschen sich FPÖ-Chef als Bürgermeister – aber gut doppelt so viele würden seiner Partei die Stimme geben. Die SPÖ hat derzeit nur einen knappen Vorsprung vor der FPÖ, Bürgermeister Michael Häupl liegt aber deutlich vorn

Linz/Wien – Drei Monate vor der Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien hat sich die FPÖ auf drei Prozentpunkte an die Bürgermeisterpartei SPÖ herangearbeitet.

Das geht aus einer in der Vorwoche durchgeführten Market-Umfrage für den STANDARD hervor.

Demnach würde die SPÖ von zuletzt 44,34 Prozent bei der Landtagswahl 2010 auf 35 Prozent fallen. Bei der vorigen Umfragewelle im April dieses Jahres hat die Market-Hochrechnung noch 37 Prozent für die SPÖ ergeben. Die FPÖ war damals noch unter der vielfach als "magisch" bezeichneten 30-Prozent-Marke gelegen.

"Duell" Strache vs. Häupl?

Läuft also alles auf das vielzitierte "Duell" zwischen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Bürgermeister Michael Häupl hinaus?

Market-Wahlforscher David Pfarrhofer hält diese Sicht für falsch, für Strache sei sie sogar gefährlich: "Wir stellen ja nicht nur die Sonntagsfrage – und daher wissen wir, dass sich die Wiener Strache nur schwer als Bürgermeister vorstellen können. In der Bürgermeisterfrage hat Strache zwar einen harten Kern von Fans, die sagen, sie wünschen sich Strache als Bürgermeister. Das sind aber nur 16 Prozent. Und wenn man jene, die in der Bürgermeisterfrage unentschlossen sind, fragt, wer denn am ehesten infrage käme, nennt kaum jemand Strache."

SP-Wähler hinter Häupl

Mehr noch: Auch unter den erklärten FPÖ-Anhängern sind nicht alle dafür, dass ihr Parteichef Bürgermeister wird. Pfarrhofer: "In der Bürgermeisterfrage hat Michael Häupl als Einziger seine Parteiwähler geschlossen hinter sich – dazu kommen dann noch kleine Gruppen aus den Wählerschaften der Grünen, Schwarzen und sogar der Blauen, die Häupl – wenn sie könnten – als Bürgermeister wählen würden, obwohl sie einer anderen Partei ihre Stimme geben wollen."

Die SPÖ punktet bei Wählern, die sich selber als "alteingesessen" bezeichnen etwa gleich stark wie bei jenen, deren Vorfahren zugezogen sind. Die FPÖ zieht alteingesessene Wiener ähnlich stark an – während Wahlberechtigte, die selbst zugezogen sind oder das von ihren Vorfahren sagen, besonders zu den Grünen neigen.

Alte Rote

Was die Rohdaten der Market-Umfrage deutlich zeigen, ist die Überalterung der Anhänger der SPÖ: Sie bekommt überdurchschnittlich viele Stimmen von Wahlberechtigten über 50 – und auffallend wenige von jenen, die noch unter 30 sind. Bei den Grünen, dem Koalitionspartner auf Landesebene, ist das umgekehrt. Bei den Jungwählern sind die Grünen überhaupt die meistgenannte Partei.

Junge Grüne

Dasselbe gilt in der Bürgermeister-Direktwahlfrage: Da ist Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou die erste Wahl der Jungen, vor Häupl und Strache. Junge Befragte nennen Vassilakou mehr als doppelt so oft wie ältere Wahlberechtigte. Allerdings: "Die Grünen kommen nicht weit vom Fleck. In unserer Hochrechnung kommen sie nur auf 14 Prozent, das ist nur wenig über dem Ergebnis von 2010", sagt Market-Studienleiter Pfarrhofer.

Manfred Juraczka, der Spitzenkandidat der ÖVP, wird nur von vier Prozent der Wahlberechtigten in der Bürgermeisterfrage genannt – auf Nachfrage bei Unentschlossenen kommen dann allerdings noch drei Prozentpunkte dazu. Seiner Partei traut die Market-Hochrechnung zwölf Prozent zu – und damit einen weiteren Abstieg in der Wählergunst: Von 2005 auf 2010 hatte die Volkspartei 4,8 Prozentpunkte eingebüßt. Jetzt droht ihr ein Verlust von weiteren zwei Prozentpunkten.

Intakte Chancen der Neos

Die Neos dürften in Wien – anders als bei den Wahlen in den ländlich geprägten Bundesländern Steiermark und Burgenland – doch eine erhebliche Rolle spielen, rechnet Wahlforscher Pfarrhofer: "Man darf nicht erwarten, dass da die Bäume in den Himmel wachsen – aber im städtischen Bereich kann man durchaus davon ausgehen, dass die Neos als attraktive Alternative gesehen werden. Und zwar auch von Leuten, die sonst eher zu den Grünen tendieren. Auch wenn wir aufgrund der Stichprobengröße nur wenige erklärte Neos-Wähler haben, so fällt doch auf, dass von denen doch recht viele angeben, dass sie zuletzt eine Stimme für die Grünen abgegeben hätten." (Conrad Seidl, 13.7.2015)

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