Iran erschwert einvernehmliche Ehescheidungen

12. Juli 2015, 15:45
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Paare müssen zuvor staatliche Beratung besuchen

Teheran – Angesichts eines starken Anstiegs der Scheidungen erschwert der Iran die einvernehmliche Auflösung des Ehebündnisses. Gemäß eines neuen Familiengesetzes müssten sich Paare, die im Einvernehmen zur Scheidung bereit sind, künftig einer staatlichen Beratung unterziehen, berichteten iranische Medien am Wochenende.

Die Sprecherin der Justizstelle für Sozialarbeit und Beratung, Parnian Ghavam, sagte laut der Nachrichtenagentur Tasnim, künftig sei eine einvernehmliche Scheidung ohne den vorherigen Besuch einer Beratung unzulässig. Das neue Gesetz schreibt vor, dass Paare künftig die Zustimmung der staatlichen Berater brauchen, um ihre Scheidung zu vollziehen.

Bruch mit Traditionen

Die Scheidungsrate in der Islamischen Republik stieg vergangenes Jahr auf 21 Prozent. In den Großstädten lag sie noch deutlich höher: Im Norden Teherans, wo die liberale Mittel- und Oberschicht lebt, wurden sogar 40 Prozent aller Ehe geschieden. Die Reformzeitung "Schargh" berichtete am Sonntag, von den mehr als 30.000 Scheidungen in der Hauptstadt seien 90 Prozent im Einvernehmen gewesen.

Das konservative Establishment im Iran ist seit langem über den Zerfall der traditionellen Familie und das steigende Heiratsalter besorgt. Im Juni startete die Regierung eine Website, um bei der Vermittlung von Heiratswilligen zu helfen. In den vergangenen Jahren wurden zudem Programme zur Geburtskontrolle heruntergefahren, nachdem die Geburtenrate seit den 80er-Jahren stark gesunken war. Das geistliche Oberhaupt, Ayatollah Ali Khamenei, hat das Ziel ausgegeben, die Bevölkerung bis 2050 auf 150 Millionen fast zu verdoppeln. (APA/AFP, 12.7.2015)

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