Weitere Luftangriffe auf Huthi-Rebellen trotz Waffenruhe

13. Juli 2015, 20:56
25 Postings

Humanitäre Feuerpause der UNO wird nicht eingehalten

Sanaa – Die von den Vereinten Nationen ausgerufene humanitäre Waffenruhe im Jemen ist von den Konfliktparteien nicht eingehalten worden. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition erklärte am Samstag, sie fühle sich durch die Kampfpause nicht gebunden, und flog am Wochenende zahlreiche Luftangriffe auf Stellungen der Huthi-Rebellen. Auch am Boden dauerten die Kämpfe weiter an. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sei "sehr enttäuscht", er habe aber die "Hoffnung noch nicht verloren", die Waffen zum Schweigen zu bringen, erklärte sein Sprecher am Montag.

Schon wenige Stunden nach Inkrafttreten der Waffenruhe in der Nacht zum Samstag bombardierten Kampfflugzeuge der Militärkoalition Stellungen der Huthi-Rebellen in Taes im Zentrum des Landes, wie Augenzeugen berichteten. Später griffen sie die Aufständischen auch in der südlichen Hafenstadt Aden und der Provinz Lahj an. Die Feuerpause war um Mitternacht in Kraft getreten und sollte eigentlich bis zum Ende des Ramadan am kommenden Freitag gehen.

Wie Augenzeugen berichteten, lieferten sich Huthi-Rebellen in Taes weiterhin Kämpfe mit Truppen von Exil-Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi. Dabei hätten die Huthis auch mehrere Viertel bombardiert. Ein Sprecher der Hadi-treuen Kräfte in Aden sagte, die Luftangriffe seien in Vergeltung für den Beschuss mehrerer Viertel durch die Huthi-Rebellen erfolgt. Am Sonntag gab es weitere Angriffe auf die Huthi-Hochburg Saada, sowie Stellungen südlich der Hauptstadt Sanaa.

Dringend benötigte Hilfe

Die Feuerpause sollte die Möglichkeit eröffnen, dringend benötigte Hilfe an die Zivilbevölkerung zu liefern. Die Kampfparteien äußerten sich im Vorfeld aber skeptisch, dass die Gegenseite die Waffenruhe einhalten würde. Der Huthi-Führer Abdel Malek al-Huthi sagte, der Erfolg hänge davon ab, dass "das saudi-arabische Regime, seine Aggression vollständig einstellt". Die Militärkoalition erklärte ihrerseits am Samstag, ohne Verpflichtung der Huthis fühle sie sich nicht an die Waffenruhe gebunden.

Das Bündnis erklärte auch, es habe keine offizielle Aufforderung der Exilregierung von Präsident Hadi erhalten, sich an die Waffenruhe zu halten. Zudem habe es keine Treffen mit UN-Vertretern zur Koordinierung gegeben. Mitte Mai hatte es bereits eine ähnliche Feuerpause zur Verteilung von Hilfsgütern gegeben. Im Anschluss waren die Kämpfe aber mit neuer Kraft fortgesetzt worden.

"Letzte Hoffnung"

Eine Sprecherin des Welternährungsprogramms sagte, die Feuerpause sei "unsere letzte Hoffnung". In den vergangenen Tagen hätten sie 9.000 Tonnen Nahrungsmittel in die Depots gebracht, die sie nun in allen Regionen des Landes verteilen wollten, "egal wer sie kontrolliert". Zwei Konvois nach Aden im Süden und Saada im Norden steckten aber wegen der schlechten Straßen und der unsicheren Lage fest. Zwei Schiffe mit Hilfsgütern kreuzten demnach vor der Hafenstadt Aden.

Die Huthi-Rebellen hatten im Jänner mit der Unterstützung von Anhängern des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh in der Armee die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht. Die aus dem Norden des Jemen stammende schiitische Bewegung, die seit Jahren mit der Zentralregierung verfeindet ist, stieß anschließend weiter nach Süden vor. Als sich die Huthi-Miliz Aden näherte, floh Präsident Hadi nach Riad und bat dort um Unterstützung.

Saudi-Arabien startete daraufhin mit anderen arabischen Staaten Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten. Seit Beginn der Kämpfe wurden nach UN-Angaben bereits mehr als 3.200 Menschen getötet. Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Rund 21 Millionen Jemeniten und damit 80 Prozent der Bevölkerung sind auf Hilfe oder Schutz angewiesen, während zehn Millionen Menschen nicht ausreichend Lebensmittel oder Trinkwasser haben. (APA/AFP, 12.7.2015)

  • Auch am Samstag wurden im Jemen durch die fortgesetzten Luftschläge der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition Häuser zerstört.
    foto: apa/epa/yahya arhab

    Auch am Samstag wurden im Jemen durch die fortgesetzten Luftschläge der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition Häuser zerstört.

Share if you care.