Attacke auf Premier Vučić: EU fordert Untersuchung

12. Juli 2015, 08:50
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Mogherini und Ban verurteilten Angriff – Serbischer Premier reagierte gelassen

Brüssel – Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderte eine Aufklärung des Angriffs auf den serbischen Regierungschef Aleksandar Vučić bei der Gedenkfeier zum 20. Jahrestag des Srebrenica-Völkermordes. "Wir erwarten eine volle Untersuchung dieses Zwischenfalls durch die bosnischen Behörden", sagte Mogherini am Samstag. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Vorfall.

Dass Vučić, der die "historische Entscheidung" zur Teilnahme an der Gedenkfeier getroffen habe, diese nach Steinwürfen leicht verletzt verlassen musste, "geht gegen den Geist von diesem Tag des Gedenkens", kritisierte Mogherini. "Es zeigt, dass wir alle unsere Bemühungen verstärken müssen, den Hass zu überwinden, und Versöhnung in der ganzen Balkan-Region und darüber hinaus betreiben müssen", sagte die EU-Außenpolitikerin. "Heute ist ein Tag der Versöhnung, der Würde und der Achtung. Die EU wird Bemühungen in diese Richtung weiter unterstützen."

Vučić selbst ragierte gelassen: "Meine Hand bleibt weiter ausgestreckt", sagte der Politiker am Samstag in Belgrad nach einer Sondersitzung der Regierung. Der Angriff sei nicht von den Angehörigen der Opfer im Bosnien-Krieg (1992-95) organisiert worden. Bei einer Pressekonferenz in Belgrad rief er erneut zur Versöhnung zwischen Serben und Bosniaken (Muslimen) auf.

Der Ministerpräsident machte drei Gruppen von Fußball-Schlachtenbummlern für den Angriff verantwortlich, von welchen eine, die ihn allerdings nur beschimpft hatte, aus Serbien angereist sei. Der Aussage des serbischen Regierungschefs war zu entnehmen, dass der Angriff auf ihn "gut organisiert" gewesen sei. Beim Verlassen der Gedenkstätte von Potocari flogen Steine und andere Gegenstände gegen Vučić. Seine Brille wurde zerbrochen, er kam aber mit einer verletzten Lippe davon. Man habe "Tötet Vučić" und "Tötet den Tschetnik" gerufen, schilderte der Regierungschef bei der Pressekonferenz.

Weiter versöhnungsbereit

Zur Journalistenfrage, ob es sich um einen Attentatsversuch gehandelt habe, meinte Vučić: "Sie wollten mich sicher nicht zum Mittag- oder Abendessen einladen". "Meine Hand der Versöhnung mit den Bosniaken bleibt gestreckt", unterstrich Vučić ferner. "Wir müssen mit den Bosniaken zusammenleben, sie werden meine Hand der Versöhnung akzeptieren", so der serbische Ministerpräsident.

Der Bürgermeister von Srebrenica, Camil Durakovic, entschuldigte sich beim serbischen Ministerpräsidenten für den Angriff in Potocari. Er zeigte sich über den Zwischenfall tief enttäuscht, berichtete die serbische Presseagentur Tanjug. "Vučić hat heute die Mutter von Srebrenica, Munira Subasic, umarmt, der Gedenkfeier für die Opfer beigewohnt und sich eine 'Blume von Srebrenica' angesteckt, womit er zu zeigen versuchte, dass er mit unserer Trauer und dem Leiden mitfühlt", wurde Durakovic zitiert.

Serbiens Innenminister Nebojsa Stefanovic hat den Zwischenfall als einen "skandalösen Akt" und als "Mordversuch" bezeichnet. Bosnien sei nicht dem Mindestmaß an seinen Pflichten im Hinblick auf die Sicherheit des serbischen Regierungschef nachgekommen, sagte Stefanovic.

Er hatte am Freitag gewarnt, dass drei Fußballfangruppen, davon eine aus dem südwestserbischen Novi Pazar, bei der Gedenkfeier für Zwischenfälle sorgen dürften. Für die Sicherheit in Potocari war am Samstag die bosnisch-serbische Polizei zuständig. Srebrenica liegt seit dem Kriegsende in der kleineren bosnischen Entität. (APA, 12.7.2015)

  • Der serbische Regierungschef Aleksandar Vučić reagierte auf die Attacke vergleichsweise gelassen.
    foto: ap/darko vojinovic

    Der serbische Regierungschef Aleksandar Vučić reagierte auf die Attacke vergleichsweise gelassen.

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