Ende einer Ära: Schweinsteiger zu ManUnited

11. Juli 2015, 17:13
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Weltmeister verlässt Bayern München und heuert bei Englands Rekord-Champion an

München/Manchester – Der Transfer von Bastian Schweinsteiger von Bayern München zu Manchester United ist beschlossene Sache. Das bestätigte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Samstag kurz vor der offiziellen Mannschaftspräsentation in München in einer Pressekonferenz. Lediglich juristische Details seien noch zu klären und der Medizincheck zu absolvieren.

Damit geht bei den Bayern eine Ära zu Ende. Schweinsteiger war 17 Jahre bei den Münchnern tätig. Mit den Bayern gewann er achtmal den deutschen Meistertitel und 2013 endlich auch die Champions League. "Er will einfach diese neue Erfahrung machen", sagte Rummenigge. "Wir haben versucht, ihn zu überzeugen, bei Bayern München zu bleiben. Ich bedauere das ein Stück, auch wenn ich dafür Verständnis habe. Er war ein extrem verdienter Spieler."

Medienberichten zufolge soll Schweinsteiger bei United einen mit mehr als zehn Millionen Euro jährlich dotierten Dreijahresvertrag erhalten, das entspräche seinem bisherigen Salär. Die Ablösesumme für den 30-Jährigen dürfte im Bereich von 18 bis 20 Millionen Euro liegen. Schweinsteiger hatte bei den Bayern, zu denen er im Juli 1998 als Nachwuchsspieler gekommen war, noch einen bis Juni 2016 laufenden Vertrag.

Enttäuschte Fans

Als Rummenigge den 70.000 Bayern-Fans in der Münchner Arena den Abschied des Mittelfeldstrategen verkündete, erntete er gellende Pfiffe. Viele Anhänger waren sauer, manche wütend über den Abschied ihres Idols. Die Entscheidung fiel bei einem "diskreten, sehr seriösen und sehr ehrlichen" Gespräch (Rummenigge) am Freitag nach Schweinsteigers Rückkehr aus dem Urlaub.

Der Vize-Kapitän habe dort seinen Wunsch geäußert, zu United zu wechseln, danach sei der Deal umgehend über die Bühne gebracht worden – ohne Beteiligung von Trainer Pep Guardiola, wie Rummenigge betonte.

Schweinsteiger hatte zuletzt immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Unter Guardiola kam der bis dahin als Führungsspieler völlig Unumstrittene nicht mehr wie gewünscht zentral im Mittelfeld zum Einsatz, sondern immer wieder auch auf der Seite. "Dass er wegen unseres Trainers gegangen wäre, muss ich ins Reich der Fabel verweisen. Die zwei haben ein völlig intaktes Verhältnis", so Rummenigge.

Wiedersehen mit Louis

Guardiola hatte zuletzt zwar erklärt, er plane für die neue Saison mit Schweinsteiger. Der Coach unterstrich aber auch: "Nur er kann über seine Zukunft entscheiden, nicht Pep. Spieler mit dieser großen Karriere und dieser großen Qualität können nur selbst entscheiden." Schweinsteiger entschied sich für Manchester United, den englischen Rekordmeister anstelle des deutschen.

Der frühere Bayern-Trainer Louis van Gaal hält große Stücke auf Schweinsteiger. Unter der Ägide des Niederländers kam United in der abgelaufenen Saison aber nicht über Rang vier hinaus und verpasste dadurch die direkte Qualifikation für die Champions League. Bereits am Montag fliegen die "Red Devils" zu einem Trainingslager in die USA. Schweinsteiger soll da bereits an Bord sein.

Und van Gaal shopt weiter. Wenige Stunde nach Schweinsteiger holte er auch den italienischen Teamspieler Matteo Darmian vom FC Torino. Der 25-jährige Verteidiger erhielt einen Vierjahresvertrag, laut Medienberichten soll die Ablösesumme rund 18 Millionen Euro betragen haben. Darmian, der vorzugsweise rechts in der Viererkette spielt, war im Vorjahr WM-Teilnehmer mit Italien und hat bisher 13 Länderspiele absolviert. (APA/red – 11.7. 2015)

Stimmen:

Philipp Lahm (Bayern-Kollege): "Für mich persönlich ist das absolut schade, weil ich quasi meine gesamte Karriere mit Basti zusammen Fußball gespielt habe, ob bei den Bayern oder in der Nationalmannschaft. Aber er wollte eine neue Herausforderung, das muss man akzeptieren und respektieren."

Joachim Löw (Bundestrainer): "Basti ist ein absoluter Leader und Weltklassespieler, der jeder Mannschaft seinen Stempel aufdrücken kann, selbstverständlich auch Manchester United. Er kennt Louis van Gaal, der ihn unbedingt haben wollte, das sind gute Voraussetzungen. Ich bin davon überzeugt, dass der neue Reiz der Premier League Basti gut tun wird, ich weiß von ihm, dass er noch große Ambitionen und Ziele hat."

Oliver Bierhoff (Nationalmannschaftsmanager): "Ich kann gut verstehen, dass Basti seiner großartigen Karriere auch noch ein Kapitel in der Premier League hinzufügen möchte. Manchester United ist wie der FC Bayern ein Weltklub. Die Engländer können sich auf ihn freuen, einer wie Basti, der von seiner Leidenschaft lebt, wird sich dort schnell einfügen."

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender Bayern München): "Wir haben uns in großer Freundschaft verabschiedet. Wir haben versucht, ihn zu überzeugen, bei Bayern München zu bleiben, aber er möchte einfach am Ende seiner Karriere noch einmal was Neues machen. Wenn er Lust hat, beim FC Bayern eine zweite Karriere zu starten, steht die Tür für ihn auf."

Matthias Sammer (Sportvorstand Bayern München): "Bastian ist jetzt schon eine Ikone. Aber wir haben in Qualität und Quantität eine hervorragende Mannschaft mit einer sehr guten und gesunden Altersstruktur. Wir werden uns in aller Ruhe überlegen: Ist noch etwas zu tun? Basti ist nicht 1:1 zu ersetzen in seiner Persönlichkeit, aber wir haben eine sehr gute Struktur und Mischung."

  • Abschied aus München: Schweinsteiger sucht noch einmal eine neue Herausforderung.
    foto: reuters/pfaffenbach

    Abschied aus München: Schweinsteiger sucht noch einmal eine neue Herausforderung.

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