Serena Williams holt sechsten Titel

11. Juli 2015, 16:49
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21. Major-Titel nach Zweisatz-Erfolg über spanische Außenseiterin Muguruza – US-Amerikanerin fehlt nur noch ein Erfolg zum Grand Slam – Nach 17 Jahren wieder Wimbledon-Titel für Hingis

London – Eine lebende Tennis-Legende ist sie schon, doch Serena Williams ist immer noch siegeshungrig. Die 33-jährige US-Amerikanerin setzte am Samstag ihren Marsch in Richtung Grand Slam fort. Die topgesetzte Williams bezwang am Samstag in Wimbledon Überraschungs-Finalistin Garbine Muguruza aus Spanien nach 82 Minuten mit 6:4,6:4. Für Williams war es der insgesamt 21. Major-Titel und der vierte in Folge.

Der zweite "Serena Slam" nach 2002/03, als sie schon einmal vier Majors in Folge gewonnen hatte, wurde am Samstag Realität. Zur absoluten Glückseligkeit in sportlicher Hinsicht fehlen ihr nun noch sieben Siege in diesem Jahr bei den US Open in Flushing Meadows. Denn dann schlägt Serena Williams gleich zwei Fliegen mit einem Schlag: Sie egalisiert den Rekord von Steffi Graf in der Profi-Ära mit dem 22. Major-Sieg und sie schafft als erste Spielerin seit Graf 1988 den echten Grand Slam, also alle vier Major-Gewinne innerhalb eines Kalenderjahres.

"Es fühlt sich so gut an, diese Schale wieder in den Händen haben. Ich bin einfach nur glücklich", freute sich Williams. "Ich kann gar nicht glauben, dass ich hier mit einem weiteren 'Serena Slam' stehe." Williams freute sich wie ein kleines Kind, balancierte den Siegesteller beim Abgang auf dem Kopf und zeigte sich danach, wie es die Tradition will, auf dem Balkon den Fans.

Trost

Für die unterlegene Muguruza, der es versagt blieb, als erste Spanierin seit Conchita Martinez (1994) in Wimbledon zu triumphieren, hatte Serena Worte des Trostes. "Sie hat so hart gekämpft. Sei nicht traurig, du wirst diese Trophäe sehr bald in den Händen halten." Über das "G-word", also den möglichen Grand Slam, wollte sie lieber noch gar nicht reden. "Ich habe so viel Spaß hier draußen. Ich hätte nie geträumt, dass ich so lange so gut spielen kann und sogar das Turnier noch gewinnen kann."

2002 hat Williams erstmals in Wimbledon triumphiert. Drei Jahre nach ihrem bisher letzten Wimbledonsieg kehrte die nunmehr 68-fache Turniersiegerin wieder in das Finale beim traditionsreichsten Tennisturnier der Welt zurück – und beendete es standesgemäß mit einem Sieg. Denn es war ihr bereits 25. Grand-Slam-Finale – und sie hat nur vier verloren.

Mit 33 Jahren ist sie nun die älteste Grand-Slam-Einzelsiegerin aller Zeiten und löste damit auch Martina Navratilova ab. Der ehrgeizigen Williams, die sich über diesen Titel sichtlich freute, als wäre es der erste, darf man durchaus noch einige weitere Titel im Tennismekka zutrauen.

Mutige Herausforderin

Der Matchverlauf des Finales war durchaus etwas kurios: Williams geriet gegen die munter darauf losspielende Außenseiterin Muguruza, die sich am Montag vom 20. Platz als Neunte erstmals in die Top Ten schieben wird, nach einem umkämpften Auftaktgame gleich in Rückstand. Bei 2:4 steigerte sich Williams aber und gab in der Folge in diesem Satz kein Game mehr ab. Im zweiten Durchgang zog Williams rasch auf 5:1 davon, ehe sie die Spanierin aber doch auch durch eigenes Nachlassen wieder ins Spiel kommen ließ. Muguruza gelangen zwei Rebreaks zum 4:5, ehe sie aber im zehnten Game doch den Aufschlag und das Match abgeben musste.

Muguruza war nach dem Finale etwas von ihren Emotionen überwältigt. "Ich habe es sehr genossen und bin sehr stolz." Befragt, wie sie sich denn mit dem Rasen so gut anfreunden konnte, sagte die 21-Jährige: "In Spanien haben wir nicht so viel Rasen, aber ich werde das jetzt ändern." Mit dem Erreichen des Grand-Slam-Finales sei ein Traum wahr geworden und in Richtung Serena Williams sagte sie gratulierend: "Sie zeigt uns immer noch, dass sie die Nummer eins der Welt ist."

Am Sonntag könnte es ihr im Herren-Finale Roger Federer gleichtun: Auch der gleich alte Schweizer hat 2012 zuletzt in Wimbledon gewonnen. Er geht gegen Novak Djokovic auf seinen bereits achten Wimbledon-Titel los.

Hingis wieder da

Am späten Samstagabend sicherte sich dann Martina Hingis 17 Jahre nach ihrem letzten Wimbledonsieg wieder einen Titel im All England Club. Die 34 Jahre alte Schweizerin setzte sich an der Seite ihrer indischen Partnerin Sania Mirza im Finale des Doppel-Bewerbs im Duell der beiden topgesetzten Duos gegen Jekaterina Makarowa und Jelena Wesnina aus Russland 5:7, 7:6 (7:4), 7:5 durch.

Bereits 1998 hatte Hingis gemeinsam mit der Tschechin Jana Novotna den Doppeltitel in London gewonnen, ein Jahr zuvor hatte sie zum einzigen Mal im Einzel triumphiert. Insgesamt hat Hingis, die 209 Wochen an der Spitze der Einzel-Weltrangliste gestanden hatte, 17 Titel bei den vier Majors gesammelt.

Murray-Bruder unterliegt im Doppel-Endspiel

Im Doppelfinale setzten sich Jean-Julien Rojer (Niederlande) und Horia Tecau (Rumänien) gegen das Duo Jamie Murray (GBR)/John Peers (AUS) mit 7:6 (7:5),6:4,6:4 durch. Sowohl für Rojer, als auch für Tecau ist der Titel im All England Club der erste Doppelerfolg bei einem Grand-Slam-Turnier. Einen Tag nach seiner Niederlage im Halbfinale gegen den Schweizer Roger Federer verfolgte Andy Murray das Match seines Bruders auf dem Centre Court. (APA/red – 11.7.2015)

Zur Person:

Serena Williams (USA/33 Jahre): Geboren: 26. September 1981 in Saginaw/Michigan; Wohnort: Palm Beach Gardens/Florida; Größe/Gewicht: 1,75 m/70 kg; Profi-Tennisspielerin seit 1995; Rechtshänderin, beidhändige Rückhand.

Aktuelle Weltranglisten-Platzierung: 1
Karriere-Preisgeld: rund 70 Mio. US-Dollar

Größte Erfolge: 68 Einzel-Titel, davon 21 Grand-Slam-Turniersiege: 6 x Australian Open (2003, 2005, 2007, 2009, 2010, 2015); 6 x US Open (1999, 2002, 2008, 2012, 2013, 2014); 6 x Wimbledon (2002, 2003, 2009, 2010, 2012, 2015); 3 x French Open (2002, 2013, 2015). Dazu 5 x Masters-Siegerin (2001, 2009, 2012, 2013, 2014); Fed-Cup-Gewinnerin 1999 mit dem US-Team; Olympia: Einzel-Gold 2012; Doppel-Gold 2000, 2008 und 2012.

  • Serena hat Freude.
    foto: reuters/suzanne plunkett

    Serena hat Freude.

  • Lächeln mit Schale.
    foto: apa/epa/arrizabalaga

    Lächeln mit Schale.

  • Nach spannendem Doppel-Finale ein Häferl für Hingis/Mirza.
    foto: apa/epa/arrizabalaga

    Nach spannendem Doppel-Finale ein Häferl für Hingis/Mirza.

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