Schulreform in Italien: Der Zerstörer baut neu auf

Kommentar10. Juli 2015, 17:17
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Politisch ist die Durchsetzung der Reform ein Erfolg für Renzi

Die Schulreform ist auch bei unseren italienischen Nachbarn ein heißes Pflaster. Im römischen Parlament setzte Premier Matteo Renzi ein Paket durch, mit dem es nun fixe Anstellungen für rund 100.000 Lehrende gibt, die bisher dazu verdammt waren, im Prekariat zu leben – oft ein ganzes Berufsleben lang. Und für die Volksschulen soll es vier Milliarden Euro zusätzlich an Budget geben. Das ist in Zeiten wie diesen beachtlich.

Dennoch hagelt es Kritik für Renzi, den selbsternannten "rottamatore" (Zerstörer), der gelobt hat, in Italien alles Erstarrte und Verkrustete einzureißen, um daraus Neues entstehen zu lassen: Lehrergewerkschaften, aber auch Eltern- und Schülerverbände fürchten ein unheilvoll-autoritäres Schulsystem, weil Direktoren nun selbst Personalentscheidungen treffen dürfen und weil in das Lehrergehalt eine Leistungskomponente Eingang finden soll. Wo manche ein Qualitätspotenzial sehen, sehen andere hingegen eine Gefährdung ihres liebgewonnenen Status quo.

Diese Schulreform ist eindeutig von einem Macher für Macher gemacht worden: Die Lehrverantwortlichen sollen mehr Verantwortung tragen und ruhig – ein bisschen – in Konkurrenz zueinander treten. Das scheint offenbar gar nicht so wenige Menschen zu ängstigen oder zu irritieren. Politisch ist die Durchsetzung der Reform jedenfalls ein Erfolg für Renzi: Seine knappe Mehrheit hält, sogar unter Belastung, wenn es Abtrünnige im eigenen Lager gibt. (Gianluca Wallisch, 10.7.2015)

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