Schweiz liefert ehemaligen Fifa-Vize an USA aus

10. Juli 2015, 16:59
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Ex-Concacaf-Chef Webb einer der sieben vor dem Kongress des Weltverbandes verhafteten Funktionäre

Zürich – Einer der am 27. Mai in der Schweiz festgenommenen sieben hochrangigen Funktionäre des Fußball-Weltverbandes FIFA hat einer Auslieferung an die USA zugestimmt. Das gab das Schweizer Bundesamt für Justiz (BJ) am Freitag bekannt. Es handelt sich dabei um Jeffrey Webb, den bisherigen Chef des Kontinentalverbandes CONCACAF. Das bestätigte eine mit dem Fall vertraute, anonyme Quelle gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Webb war auch FIFA-Vizepräsident und galt bis zu seiner Verhaftung am 27. Mai als möglicher Nachfolger von FIFA-Chef Joseph Blatter. Der 72-Jährige stammt von den Cayman-Inseln.

Vor dem FIFA-Kongress waren die sieben Personen in einer spektakulären Nacht- und Nebelaktion festgenommen worden. Die USA hatten am 2. Juli die Schweiz ersucht, alle Festgenommenen auszuliefern. Die Kantonspolizei Zürich musste alle FIFA-Funktionäre zu dem Ersuchen anhören. Den Betroffenen wurde anschließend eine Frist von mindestens 14 Tagen gewährt, um dazu Stellung zu nehmen.

Bestechungsskandal

Am 20. Mai hatte die zuständige Staatsanwaltschaft für den Bezirk Ost von New York entsprechende Haftbefehle ausgestellt. Es geht um Annahme von Bestechungsgeldern in Höhe von über 100 Millionen Dollar (rund 90 Millionen Euro).

"Als Gegenleistung sollen die mutmaßlichen Bestecher – Vertreter von Sportmedien und von Sportvermarktungsunternehmen – bei der Austragung von Fußballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben", heißt es in dem Justiz-Schreiben. Diese Straftaten sollen in den USA abgesprochen und vorbereitet worden sein. Auch die Abwicklung der Zahlungen seien über US-Banken abgewickelt worden.

Die USA hatten Ende Mai ein Verhaftungsersuchen gestellt, worauf die Verdächtigen festgenommen und in Auslieferungshaft gesetzt wurden. Am 1. Juli 2015 übermittelte die US-Botschaft in Bern innerhalb der vom bilateralen Auslieferungsvertrag vorgesehenen Frist die formellen Auslieferungsanträge.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt unterdessen auf Betreiben der FIFA zudem wegen Unregelmäßigkeiten bei den WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022). Blatter hatte im Zuge des Skandals knapp 100 Stunden nach seiner Wiederwahl auf dem FIFA-Kongress seinen Rücktritt angekündigt. Am 20. Juli wird das Exekutivkomitee des Weltverbandes über den Termin eines außerordentlichen Kongresses entscheiden. Als möglicher Termin ist der 16. Dezember dieses Jahres im Gespräch. (sid/red – 10.7. 2015)

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