"Widerstand und Amnesie #2": Provokante Welt

10. Juli 2015, 17:47
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Junge Künstlerinnen und Künstler des Fellowship Büchsenhausen befassen sich u. a. mit gescheiterten Utopien. Die Arbeiten sind im Kunstpavillon Innsbruck ausgestellt

Innsbruck – Die diesjährigen Stipendiaten des Internationalen Fellowship-Programms im Künstlerhaus Büchsenhausen haben sich ein Jahr lang intensiv mit den Themen gescheiterte Utopien und Kolonialismus von heute auseinandergesetzt. Die entstandenen Arbeiten werden derzeit in der Ausstellung Widerstand und Amnesie #2 im Kunstpavillon gezeigt.

Bisan Abu-Eisheh, 1985 in Palästina geboren, hat Notenständer, Gitarre, mehrere Mikrofone und einen Kassettenrekorder am Eingang des Pavillons positioniert. Aus einem Lautsprecher erklingt ein Song à la Bob Dylan. Doch der Künstler vertonte einen Brief seines Vaters an die Mutter, als dieser politischer Häftling in israelischer Gefangenschaft war.

Luxus, Moder und Faschismus

Die aus Dubai stammende Raja'a Khalid (Jahrgang 1984) zeigt die zweiteilige Arbeit Idyllic Place or State. Auf einem Hochglanzfoto posiert Liz Benn, ein Starmodel der 1950er-Jahre, auf blütenweißem Sandstrand vor tiefblauem karibischem Meer. Später heiratete die Schöne einen Großgrundbesitzer, der ebendort ein Luxusresort für Superreiche errichten ließ. Weltweit das erste seiner Art.

Daneben versprüht ein Luftdiffusor exotischen Modergeruch. Dieses Odeur hat die Künstlerin im Botanischen Garten Berlin, Abteilung tropische Nutzpflanzen, eingefangen. Beides steht bei Khalid für koloniale Ausbeutung.

Im hinteren, schwarz getünchten Teil des Raumes zieht die Italienerin Annalisa Cannito (31) mit L'oro alla patria Verbindungen zur kolonialen und faschistischen Vergangenheit Italiens. Ein vergoldeter (Rettungs)-Ring aus Beton wird da keinen Flüchtling vor dem Ertrinken retten. Goldene (Ehe)-Ringe hingegen sammelte Mussolini massenhaft von den Italienern ein, um seinen Krieg in Äthiopien zu finanzieren.

Und in einer grellorangen aus Sperrholz gezimmerten Koje zeigt Emma Wolukau-Wanambwa, 1976 in Glasgow geboren, ihren dichten Videoessay Promised Lands.(Dorothea Nikolussi-Salzer, 11.7.2015)

Bis 1. 8. 2015, Mi-Fr, 11.00-18.00, Sa 11.00-15.00

www.kuenstlerschaft.at

  • Mit diesem Rettungsring werden keine Flüchtlinge überleben: "Livesaver" von Annalisa Cannito (Betonskulptur, vergoldet, 2015).
    foto: daniel jarosch / kunsthaus büchsenhausen

    Mit diesem Rettungsring werden keine Flüchtlinge überleben: "Livesaver" von Annalisa Cannito (Betonskulptur, vergoldet, 2015).

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