Gutachter geht von bis zu 3.300 Kilogramm Ausstoß an HCB aus

10. Juli 2015, 16:30
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Im besten Fall sind es 456 Kilogramm, berichtet "News" – Ein Sachverständiger kam auf 1.000 Kilogramm

Klagenfurt – Ein Sachverständiger hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft Klagenfurt festgestellt, dass das Zementwerk Wietersdorf wesentlich mehr vom Umweltgift HCB (Hexachlorbenzol) ausgestoßen haben könnte, als bisher angenommen. Das geht aus einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins "News" hervor. Das Land Kärnten sieht seine Einschätzung unter Einbeziehung der Schwankungsbreite als bestätigt an.

456 bis 3.326 Kilogramm HCB dürften den Berechnungen von Gutachter Harald Raupenstrauch von der Montanuniversität Leoben zufolge im Zeitraum 2012 bis 2014 in die Umwelt gelangt sein, zitiert "News" aus den Unterlagen der Staatsanwaltschaft.

Hohe Schwankungsbreite

Die Schwankungsbreite der "groben Abschätzung" des Experten sei deshalb so groß, weil verschiedene Annahmen bezüglich der Belastung des verwendeten Blaukalks als auch dessen Einbringungsstelle in die Produktion im Zementwerk zugrunde liegen.

"Wir kennen das Gutachten nicht. Hinsichtlich der Abschätzung, wie viel HCB in die Luft gegangen ist, werden unsere Annahmen von Landesseite aber bestätigt", sagte Albert Kreiner, HCB-Krisenkoordinator des Landes Kärnten, am Freitag. "Unser Sachverständiger geht von 1.000 Kilogramm HCB aus." Auch in dieser Berechnung, die im Jänner bekannt geworden war, ist von einer großen Schwankungsbreite auszugehen.

Umweltskandal um Giftmülldeponie

Der Umweltskandal rund um eine HCB-Verseuchung des Kärntner Görtschitztals wurde im Herbst 2014 öffentlich. Bei der Sanierung der Giftmülldeponie Brückl der Donau Chemie war etwas schief gegangen. Im Zementwerk Wietersdorf, das den Auftrag hatte, HCB-belasteten Blaukalk aus der Deponie als Ersatzrohstoff zu entsorgen, war der Kalk offenbar an einer falschen Stelle eingebracht worden.

Die Temperatur reichte nicht aus, um das Umweltgift zu zerstören, es wurde emittiert und gelangte in die Futtermittel und in die Lebensmittel. Wie dies passieren konnte und wer welche Fehler gemacht hat, ist nicht nur Gegenstand von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, es gibt auch einen Untersuchungsausschuss im Kärntner Landtag und eine Kommission prüfte die Vorgänge im Auftrag der Landesregierung.

Kreiner: Keine Grenzwertüberschreitungen mehr

Laut Krisenkoordinator Kreiner gebe keine Grenzwertüberschreitungen mehr. Man bleibe aber bei einem Monitoringprogramm, um gerüstet zu sein. (red, APA, 10.8.2015)

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