Wort der Woche: Affenhitze, kletterndes Quecksilber und kühlendes Nass

11. Juli 2015, 09:00
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Das Sommervokabular hat Hochsaison

Heiß ist es, tendenziell zumindest. Selbst wenn man das nicht am eigenen Leib verspüren würde, man könnte die Temperaturen aus der hitzigen Sommerphraseologie der Boulevardblätter herauslesen: Das "Quecksilber" "klettert", "Sonnenanbeter" erfrischen sich im "kühlenden Nass", Freibäder werden "gestürmt". Die Bild-Zeitung titelt unübertrefflich lapidar über die Schäden nach einem Sommergewitter: "Hitze, Blitze, Chaos!" Eine weitere sommerliche Prachtschlagzeile, ebenfalls aus Bild: "War die Hitze schuld? Mein Schreibtisch von Ikea ist explodiert!"

Hitze kommt meist von außen, gelegentlich jedoch von innen, wie jeder Hitzkopf und jeder Heißläufer weiß: Schließlich bedeutet Hitze auch "heftige Erregung, Zornesaufwallung". Und Hitze kann an manchen Tagen Ausmaße annehmen, die förmlich nach verbaler Steigerung schreien. In diesem Fall stehen so schöne Intensivierungen wie Affenhitze, Bruthitze, Bullenhitze, Bombenhitze oder Mordshitze zur Verfügung. Trinkfreudige Wiener sagen, es habe "dreißig Krügel im Schatten".

Schlechte Nachricht für alle Hitzeempfindlichen: Die traditionell heißen Hundstage – 24. Juli bis 23. August – stehen uns erst bevor. Hundstage (dies caniculares) hießen sie schon im nachklassischen Latein, weil sie vom Sternbild Canicula, dem Hund des Orion, beherrscht werden (Kluge, Etymologisches Wörterbuch). Die Chancen auf eine anhaltende Affenhitze an den Hundstagen stehen gut. Tierisch heiße Aussichten also. (win, 10.7.2015)

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    foto: epa/yongrit
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