Referendum zu Griechenland-Hilfe: Klingt stark nach Tsipras

Kommentar10. Juli 2015, 17:01
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Möchtegern-Kanzler Strache stellt sich mit seinem Ruf nach einer Volksabstimmung keinen Deut besser an als der griechische Premier

Allein schon beim Gedanken daran, dass Österreich sehr bald und recht rasch weitere Hilfsgelder für das bankrotte Griechenland lockermachen könnte, spuckt der FPÖ-Chef Gift und Galle: Kein einziger weiterer Cent, ereifert sich Heinz-Christian Strache, dürfe mehr ohne Legitimation durch eine Volksabstimmung von Wien nach Athen fließen.

Doch damit stellt sich der blaue Möchtegern-Kanzler keinen Deut besser an als der monatelang sparunwillige griechische Premier Alexis Tsipras, der sein Volk mit einem Referendum noch mehr in Bedrängnis gebracht hat. Denn bei einer bindenden Befragung, ob sie damit einverstanden wären, noch mehr Steuergeld in den finanzmaroden Süden zu pumpen, brechen die Österreicher mit hoher Wahrscheinlichkeit in ähnliche Begeisterung aus wie die Griechen angesichts der ihnen drohenden Sparprogramme.

Doch genau solche aufgelegten Nona-Fragen, die selbsternannte Volkstribune gerne stellen und die die Beseitigung aller komplexen Probleme suggerieren, bergen eine enorme Sprengkraft, wie man nun anhand des Chaos' in Griechenland sieht: Denn mit jedem Tag, an dem die Banken weiter geschlossen haben, steigt das Risiko eines totalen Kollapses des Systems, und mit jedem Tag, an dem das griechische Drama prolongiert wird, schlittert auch die gesamte Union weiter in die Krise.

In einer repräsentativen Demokratie ist es daher absolut legitim, dass hierzulande die gewählten Volksvertreter bei einer Einigung mit Tsipras in einem Eilverfahren über Wohl und Wehe Hellas' entscheiden. Dass Strache gar kein Interesse an einer schnellen Milderung der Lage hat, ist klar: Sind ein Scheitern der EU, ein Auseinanderbrechen der Eurozone und das Zerfleddern der Rettungsschirme doch wesentliche Bestandteile seiner Politik. (Nina Weißensteiner, 10.7.2015)

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