Dem Muslim ein paar feste Hiebe

Kolumne10. Juli 2015, 17:00
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Plädoyer für einen Kickl-Lyrikpreis

Traurig, aber wahr: Wenn man nicht gerade Stephen King, Vea Kaiser oder Daniel Kehlmann heißt, ist Dichten ein brotloses Geschäft. Besonders arm sind die Lyriker dran. Die Leser mögen dickleibige Familienromane. Für sensible Herzensergießungen in Reimform lassen sie nur ungern Geld springen.

Umso angenehmer hat den Krisenkolumnisten die Meldung berührt, dass sich das Reimeschmieden gelegentlich doch auszahlt. Und zwar saftig. Aus der Transparenzliste des Parlaments geht hervor, dass Herbert Kickl neben seinem 8583-Euro-Salär als Volksvertreter mindestens weitere 10.000 Euro im Monat verdient. Der stets leicht verdruckst wirkende Generalsekretär der Opferpartei FPÖ wird für seinen schweren Job wenigstens halbwegs entschädigt.

Kickl ist der Hausdichter der Blauen, oder, besser in der Verkleinerungsform gesagt, er ist der blaue Häusldichter, weil er es versteht, seine lyrischen Botschaften immer als geschliffene Miniaturen ("Pummerin statt Muezzin", "Daham statt Islam") darzubieten. Gegen den Dreiwortpoeten Kickl wirken selbst Haiku-Dichter wie Waschweiber.

Bemerkenswert ist Kickls Fähigkeit, seine Leser aufzurütteln. Wenn "prickelnd" so viel bedeutet wie "belebend, erfrischend", heißt "kickelnd" so viel wie "aufhussend, Öl ins Feuer gießend". Sobald Kickl dichtet, gibt es eine Hetz, der Mann ist sein Geld wert. Angenommen, er hat für einen Monat Arbeit am legendären "Daham statt Islam"-Gedicht 15.000 Euro eingesackt, dann hat er pro Buchstabe (ohne Leerzeichen) gerade einmal läppische 937,50 Euro verdient. Ein Witz. Höchste Zeit, bei Hazee eine Gehaltserhöhung einzufordern!

Unverständlich auch, dass die Republik einen Poeten, der den Toleranzgedanken so gepflegt hat wie Kickl, bisher unbeachtet ließ. Das Mindeste wäre es, einen mit 25.000 Euro dotierten Herbert-Kickl-Lyrikpreis (entspricht grob geschätzt dem Äquivalent eines Monatslohns von Kickl) ins Leben zu rufen.

Die entsprechenden lyrischen Leistungen werden nicht auf sich warten lassen: "Die Neger gehn uns goa nix an, weu ma söba neger san." "Dem Christ gebühret Nächstenliebe, dem Muslim ein paar feste Hiebe". "Der Nigerianer ist ein Lümmel, der Türke fäult verflucht nach Kümmel". Das Beste: Neben den 25.000 Euro winkt den Preisträgern auch eine Gratisveröffentlichung auf H.-C. Straches Facebookseite. (Christoph Winder, 10.7.2015)

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