Gmail: Neuronale Netzwerke fangen 99,9 Prozent des Spams

12. Juli 2015, 14:59
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Nur 0,05 Prozent der erwünschten Nachrichten werden versehentlich aussortiert

Viagra, Penisverlängerungen, gefälschte Elektronikartikel, Werbung und unerwartete Erbschaften – Spamnachrichten galten lange als die Geißel der E-Mail. Lange Jahre mühten sich Hersteller von E-Mail-Clients und Webmail-Betreiber damit ab, der Flut an unerwünschten digitalen Postwurfsendungen Herr zu werden.

Mit dem blockieren bestimmter Absender und starren Filtern konnte man erste Erfolge verzeichnen, erzürnte die Nutzer aber auch mit Kollateralschäden durch das "Verschlucken" legitimer Nachrichten. Deutlich besser wurde die Lage durch den Einsatz heuristischer Werkzeuge. Neuronale Computernetzwerke, so berichtet Wired, bringen den Spam nun an den Rand des Aussterbens.

Zu 99,9 Prozent Spam-frei

IT-Riese Google, der mit Gmail ein Webmail-Angebote mit rund 900 Millionen Usern betreibt, hat nun neue Statistiken veröffentlicht. 99,9 Prozent aller Spams werden mittlerweile erfolgreich abgefangen, nur eine von tausend "Problemnachrichten" findet also ihren Weg in den Posteingang der Rezipienten. Gleichzeitig werden nur noch 0,05 Prozent der erwünschten Botschaften irrtümlich zurückgehalten – eine von zweitausend.

"Eine der großartigen Dinge des Maschinenlernens ist, dass es sich an verändernde Situationen anpasst", erklärt Gmail-Produktmanager John Rae-Grant. Die Regeln, nach denen Spamnachrichten aus dem Verkehr gezogen werden, werden also vom System laufen neu geschrieben und angepasst.

Wollen und nicht wollen

Die Einbindung des Computerhirns in diesen Prozess ist dabei eine logische Konsequenz. Die Technologie wurde bisher primär verwendet, um Dinge zu identifizieren, die ein Nutzer möchte – etwa das Erkennen von Sprachkommandos, das Identifizieren von Menschen auf Fotos -, nun hilft sie auch mit herauszufinden, was nicht gewollt ist.

Wichtig ist dabei nicht nur der Inhalt der unerwünschten Mails, sondern auch jener Nachrichten, die der Nutzer gerne entgegen nimmt. Dies ermöglicht Individualisierung, erklärt Rae-Grant. Denn was für den einen User eine lästige Werbebotschaft ist, ist für den anderen vielleicht ein interessanter Gutschein. Das neuronale Netzwerk lernt also einerseits vom Gesamtaufkommen der E-Mails und dem Input aller Nutzer, die zugestellten Spam als solchen melden und andererseits auch vom Individuum, um für seinen Spamfilter Finetuning vorzunehmen.

Twitter sieht Chance gegen Trolle

Im Einsatz ist das System, das auch davor warnen kann, wenn jemand versucht, sich als andere Person auszugeben, seit einigen Monaten. Bei Google betont man allerdings, dass die hohe Wirksamkeit erst in Kombination mit konventionelleren Maßnahmen erzielt wird.

Derweil erörtern auch andere IT-Größen das Potenzial neuraler Netzwerke für ihre Zwecke. Unter anderem spielt man bei Twitter mit dem Gedanken, das elektronische Hirn auf die Jagd nach Spam-Nachrichten und auch extrem beleidigenden Tweets zu schicken – letzteres als Maßnahme gegen das schwierig zu handhabende Troll-Problem. (gpi, 12.07.2015)

  • Googles elektronisches Hirn hat die Spam-Filterquote auf 99,9% gesteigert.

    Googles elektronisches Hirn hat die Spam-Filterquote auf 99,9% gesteigert.

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