Spitalsgröße irrelevant: Schwerstverletzte überleben gleich häufig

10. Juli 2015, 14:00
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In großen Krankenhäusern haben Patienten mit Polytrauma zwar eine etwas höhere Überlebenschance – der Unterschied ist aber denkbar gering

Sterben weniger schwerverletzte Patienten nach einem Unfall, wenn sie in einem Krankenhaus versorgt werden, das sehr viele solche Patienten behandelt? Die Frage wird in Fachkreisen seit langem kontrovers diskutiert.

Eine aktuelle Analyse der Technischen Universität München konnte erstmals einen Zusammenhang zwischen der Patientenanzahl pro Jahr und der Sterblichkeit für deutsche Unfallkliniken nachweisen. Die Studie wurde im Fachmagazin "British Journal of Surgery" veröffentlicht.

Große Studie

Für die Studie hatten die Forscher das TraumaRegister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ausgewertet. 39.289 schwerstverletzte (polytraumatisierte) Patienten aus insgesamt 587 Kliniken in Deutschland konnten in die Studie eingeschlossen werden.

Von diesen 587 Krankenhäusern waren 98 überregionale Traumazentren (Level I), 235 regionale (Level II) und 254 lokale Traumazentren (Level III). Die Gesamtsterblichkeit der polytraumatisierten Patienten betrug 18,9 Prozent. Für jedes Traumazentrum wurde zunächst die durchschnittliche Anzahl der behandelten polytraumatisierten Patienten pro Jahr ermittelt.

Anschließend wurden sechs Untergruppen gebildet (1 bis 19, 20 bis 39, 40 bis 59, 60 bis 79, 80 bis 99 oder mehr als 100 Schwerverletzte pro Jahr), die dann im Hinblick auf die tatsächliche und die erwartete Sterblichkeit analysiert wurden. Für die Berechnung der erwarteten, risikoadjustierten Sterblichkeit wurde ein äußert präzises Vorhersagemodel, der Revised Injury Severity Classification Score (RISC II), verwendet.

Innerhalb der Traumazentren mit einer hohen Anzahl an schwerstverletzten Patienten pro Jahr (mehr als 40 Patienten) war kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen der tatsächlichen und der erwarteten Mortalität zu verzeichnen. Innerhalb der Untergruppen mit wenig schwerstverletzten Patienten pro Jahr (1-19 und 20-39) war die tatsächliche Sterblichkeit höher als die erwartete.

In Kliniken mit höheren Patientenfallzahlen (mehr als 40) haben schwerstverletzte Patienten eine etwas günstigere Prognose im Vergleich zu Kliniken mit niedrigeren Fallzahlen mit weniger als 40 pro Jahr. Der Unterschied in der Sterblichkeit betrug nur etwa ein Prozent.

Geringer Effekt

Es scheint also, dass sich eine Patientenfallzahl von 40 und mehr Patienten pro Jahr und Unfallklinik günstig auf das Überleben nach Polytrauma auswirkt. Der Effekt ist jedoch geringer als vermutet.

"Die Ergebnisse belegen, dass die etablierte dezentrale Versorgungstruktur in Traumanetzwerken mit kleinen und großen Kliniken zu einer deutlichen Reduktion der Sterblichkeit, zumindest im Straßenverkehr, führt", sagt Peter Biberthaler, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Klinikum rechts der Isar.

Kleinere Kliniken mit geringen Fallzahlen schneiden mit einer Sterblichkeitsdifferenz von etwa einem Prozent nur geringfügig ungünstiger ab als Kliniken mit hohen Fallzahlen. Sie spielen jedoch eine wichtige Rolle, da beispielsweise aufgrund von großen Entfernungen oder bei schlechtem Wetter nicht jeder Schwerverletzte immer in eine Klinik der höchsten Versorgungsstufe transportiert werden kann." (red, 10.7.2015)

  • Die Studie wurde an der TU München durchgeführt, vom Klinikum rechts der Isar in München analysiert – mit 1.100 Betten zweifellos ein Großspital.
    foto: wikipedia/oliver raupach/[cc;2,5;by-sa]

    Die Studie wurde an der TU München durchgeführt, vom Klinikum rechts der Isar in München analysiert – mit 1.100 Betten zweifellos ein Großspital.

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