Mechaniker stoppen Amoklauf mit zwei Toten in Bayern

12. Juli 2015, 13:28
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Aus einem Auto heraus soll ein 47-Jähriger zwei Menschen erschossen haben. Nach seiner Festnahme zeigte er sich psychisch auffällig

Ansbach/Wien – Zur falschen Zeit am falschen Ort – dieses Sprichwort traf auf dramatische Art und Weise auf zwei Menschen in Bayern zu, die am Freitagvormittag Opfer eines Amoklaufs wurden. Der 47-jährige Bernd G. soll im 5.500-Einwohner-Ort Leutershausen im Landkreis Ansbach aus einem Auto heraus zunächst eine 82-jährige Pensionistin und wenig später einen 72-jährigen Radfahrer erschossen haben – beide verstarben noch am Tatort. Laut derzeitigem Ermittlungsstand gebe es keine Hinweise darauf, dass sich Täter und Opfer kannten.

Außerdem soll der Verdächtige, in einem silbernen Mercedes-Cabrio mit Ansbacher Kennzeichen unterwegs, einen Landwirt beschossen haben – der wurde zwar nicht vom Schuss, aber von einem Splitter getroffen und leicht verletzt. G. bedrohte auch noch einen weiteren Autofahrer mit seiner Waffe, machte von ihr aber keinen weiteren Gebrauch.

Großfahndung eingeleitet

In der Zwischenzeit leitete die örtliche Polizei eine Großfahndung ein und bat um höchste Vorsicht: "Achtung! Der Fahrer ist bewaffnet und macht rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch."

Im rund 30 Kilometer südlich von Leutershausen gelegenen Bad Windsheim schien diese Nachricht nicht angekommen zu sein oder ist zumindest ignoriert worden. Denn dort überwältigten zur Mittagszeit zwei Mechaniker an einer Tankstelle kurzerhand den flüchtenden Verdächtigen, nachdem G. das Personal bedrohte, seine Waffe dann aber kurz ablegte und eine Mitarbeiterin diese an sich nahm. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann dankte den dreien für ihr beherztes Eingreifen.

Akute Psychose mit einem bizarren Wahnsystem

Nach der Festnahme durch die herbeigerufene Polizei soll der Verdächtige psychisch auffällig gewesen sein, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Er habe "wirre Äußerungen" ohne erkennbaren Zusammenhang von sich gegeben. Daher habe man einen psychiatrischen Gutachter hinzugezogen, der klären sollte, ob G. in U-Haft oder in die Psychiatrie kommt. Der Sachverständige äußerte nach einer vorläufigen Begutachtung den Verdacht, dass eine "akute Psychose mit einem bizarren Wahnsystem" vorliege. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Ansbach am Samstag mit.

"Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind dringende Gründe für die Annahme vorhanden, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit zumindest erheblich vermindert war", hieß es in dem Statement der Anklagebehörde. Vor einer abschließenden Diagnose seien jedoch weitere Untersuchungen nötig. Mit einem endgültigen Ergebnis sei in zwei bis drei Monaten zu rechnen.

Der Mann hatte beim Ermittlungsrichter angegeben, Gesundheits- und Krankenpfleger zu sein und vor wenigen Monaten seine Stelle verloren zu haben. Zu dem Amoklauf, der am Freitag eine 82 Jahre alte Frau und einen 72 Jahre alten Mann das Leben gekostet hatte, äußerte er sich nicht. Ein darüber hinausgehendes Motiv sei bisher nicht bekannt.

Der Ermittlungsrichter erließ einen Unterbringungsbefehl wegen dringenden Tatverdachts in Richtung zweifachen Mord, zweifachen Mordversuch sowie gefährlicher Drohung und Nötigung. Der 47-Jährige wurde anschließend statt in ein Gefängnis in das Bezirkskrankenhaus Ansbach gebracht.

"Diese Tat wirft uns komplett aus der Bahn"

Bernd G. war bisher polizeilich nicht aufgefallen. Das Auto ist auf seinen Vater zugelassen, als Sportschütze besitzt er eine Waffenbesitzkarte für einen Revolver und eine Pistole. Allerdings verfügt der 47-Jährige über keinen Waffenschein und darf demnach Waffen nicht in der Öffentlichkeit bei sich führen.

Wie das bayerische Innenministerium am Sonntag bekannt gab, wurde der Mann zuletzt im Jahr 2013 von den zuständigen Behörden überprüft. "Da war alles in Ordnung", sagte ein Ministeriumssprecher. Der nächste Check wäre turnusgemäß Ende 2016 fällig gewesen. Sportschützen müssen von der Waffenbehörde alle drei Jahre auf ihre Zuverlässigkeit, persönliche Eignung, Sachkunde und das Vorliegen eines "berechtigten Bedürfnisses" überprüft werden.

"Diese Tat wirft uns komplett aus der Bahn", zeigte sich Siegfried Heß, Bürgermeister von Leutershausen, schockiert: "Es bleibt uns nur, den Hinterbliebenen unser Beileid auszudrücken." In einem Ort mit 5.500 Einwohnern, "in dem wir immer beschaulich gelebt haben, kannte man solche Situationen nur aus dem Fernsehen". (red, dpa, 10.7.2015)

  • Aus diesem silbernen Mercedes-Cabrio heraus soll der 47-jährige Bernd G. in  Bayern zwei Menschen erschossen haben. An einer Tankstelle konnte der  Tatverdächtige überwältigt werden.
    foto: apa/dpa/nicolas armer

    Aus diesem silbernen Mercedes-Cabrio heraus soll der 47-jährige Bernd G. in Bayern zwei Menschen erschossen haben. An einer Tankstelle konnte der Tatverdächtige überwältigt werden.

  • Der Amoklauf in Leutershausen.
    grafik: apa

    Der Amoklauf in Leutershausen.

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