Büro: Ärger ist Männern ins Gesicht geschrieben

11. Juli 2015, 12:00
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Wissenschafter der Webster University untersuchten, wie Geschlecht und Status unsere Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken beeinflussen

Männern werden Ärger und Angst eher angesehen, Frauen zeigen Missfallen deutlicher. Das sind die Ergebnisse einer international publizierten Studie unter Beteiligung von Wissenschaftern der Webster Vienna Private University. Darin wurde der Einfluss von beruflichem Status und der Kategorie Geschlecht auf unsere Wahrnehmung emotionaler Gesichtsausdrücke analysiert.

Der Studie, die an der Webster Vienna Private University von Professor Marc Méhu am Department of Psychology betreut wurde, liegt die Annahme zugrunde, dass verschiedene berufliche Führungsstile auch durch Gesichtsausdrücke umgesetzt werden. Die Wahrnehmung solcher Führungssignale scheint wiederum von der beruflichen Position und dem Geschlecht abzuhängen – und das sowohl beim Sender als auch beim Empfänger dieser Signale.

Emotionen zuordnen

"Unser Gesicht drückt nicht nur Emotionen aus, sondern ist auch ein wichtiges Steuerungsinstrument im Umgang mit Mitmenschen", sagt Méhu. "In einer Arbeitsplatzumgebung beeinflusst das auch das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen und wirkt sich so schließlich auch auf Jobzufriedenheit, Arbeitseinsatz und Burnout-Gefährdung aus."

Gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. Patrick A. Stewart von der University of Arkansas und Prof. Frank K. Salter von Social Technologies analysierte Méhu daher den Einfluss von Geschlecht und Hierarchiestatus auf unsere Wahrnehmung von ausgesuchten Gesichtsausdrücken. Dabei testeten die Wissenschafter, inwieweit ein bestimmter – bildlich dargestellter – Gesichtsausdruck einer ihm entsprechenden Emotion (Überraschung, Glück, Traurigkeit, Angst, Ärger, Missfallen) korrekt zugeordnet werden konnte.

Wettbewerb vs. Stabilität

Es zeigte sich, dass die Gesichtsausdrücke von Vorgesetzten grundsätzlich tendenziell besser und eindeutiger identifiziert wurden als die von Kollegen unterer Hierarchieebenen.

In Bezug auf die Kategorie Geschlecht weisen die Ergebnisse darauf hin, dass der Ausdruck von "Ärger" bei männlichen Vorgesetzten eindeutiger identifiziert werden konnte als bei Frauen. Méhus Erklärung liegt in den sozialen Rollen von Mann und Frau bei der Arbeit: "Hierarchien und Wettbewerb sind für Männer wichtige Dimensionen ihrer sozialen Interaktion. Der Ausdruck von Ärger spielt dabei eine entscheidende Rolle. Frauen sind hingegen in ihren sozialen Interaktionen mehr auf die Stabilität des sozialen Umfelds fokussiert. Ärger zum Ausdruck zu bringen, trägt wenig dazu bei. Deshalb erwarten wir den Ausdruck von Ärger auch ganz einfach eher von einem männlichen als von einer weiblichen Vorgesetzten – und interpretieren deren Gesichtsausdrücke entsprechend."

Auch Angst ist männlich

Was sich außerdem zeigte: Geschlechterunterschiede waren bei der Interpretation von Gesichtsausdrücken eher dann erkennbar, wenn sie von Kollegen und Kolleginnen unterer Hierarchieebenen gezeigt wurden. Konkret wurde der Ausdruck von "Angst" bei männlichen Untergebenen eindeutiger identifiziert als bei weiblichen. Dass "Missfallen" gezeigt wurde, war hingegen bei weiblichen Untergebenen klarer erkennbar als bei männlichen.

Méhu über die Relevanz der Ergebnisse für die Praxis: "Unternehmen können nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn Konkurrenzdenken zwischen Kollegen durch positive und konstruktive Zusammenarbeit ersetzt wird. Das richtige Interpretieren von Emotionen ist dabei wesentlich." (lib)

Publikation:

Sex and Leadership: Interpreting Competitive and Affiliative Facial Displays Based on Workplace Status. Patrick A. Stewart, Marc Méhu & Frank K. Salter. International Public Management Journal, 18(2), pages 190–208.

  • "Hierarchien und Wettbewerb sind für Männer wichtige Dimensionen ihrer sozialen Interaktion. Der Ausdruck von Ärger spielt dabei eine entscheidende Rolle", erklärt Co-Autor Marc Méhu die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Webster University Vienna – in der untersucht wurde, die die Kategorien Geschlecht und beruflicher Status unsere Wahrnehmung von Emotionen beeinflussen.
    foto: istock

    "Hierarchien und Wettbewerb sind für Männer wichtige Dimensionen ihrer sozialen Interaktion. Der Ausdruck von Ärger spielt dabei eine entscheidende Rolle", erklärt Co-Autor Marc Méhu die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Webster University Vienna – in der untersucht wurde, die die Kategorien Geschlecht und beruflicher Status unsere Wahrnehmung von Emotionen beeinflussen.

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