Gans, Trauma, Schwanzbild ein Potpourri

Kolumne11. Juli 2015, 12:00
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Wörthersee riecht nach Sonnenöl, Eiskaffee, Rauch und Algen. Unter den Tischen des Strandcafés wartet eine hundsgroße schwarze Gans mit traurigen Hundeaugen auf Kekskrümel. Das soll keine Parallele auf das große Lesen im Studio darstellen und besitzt keine Metaebene und auch keine aufwendige Konstruktion verschiedener Beziehungsverflechtungen. Dass mein Bett im Hotel gleich in der ersten Nacht durchbrach und ich nach unruhigen Träumen zwar nicht als Käfer, aber kopfüber hängend erwachte, soll auch keine Parabel auf den Zustand der Lesenden darstellen. Und schon gar nicht, dass meine Tochter schnarcht – aber nur, wenn sie mit mir unterwegs ist.

Das Auswahlverfahren ist neu, aber immer noch grausam, die Musikuntermalung dazu sollte man nicht jener von GNTM anpassen. Teresa Präauer hätte mehr verdient als leere Hände. Überhaupt: zu viele gute Texte und zu wenige Preise. Dazu war es höllisch heiß, was Juror Juri während der Abstimmung "Ich sterbe ... für Valerie Fritsch" entlockte. Beim Produzieren der les.art mit Preisträgerin Nora Gomringer und dem anregenden Moderator Ankowitsch saß ich die gesamte Zeit einem Kolig-Schwanzbild gegenüber und durfte nicht grinsen.

Zuvor hatte ich beim Studiodreh einmalige Gelegenheit und verpasste mir Traumatherapie mit einem Schuss Maturaalbtraum und einer Handvoll Horrorfilm: das Betreten des dunklen, leeren Saales. Im Hintergrund das weiße Rauschen des nun unbespielten Schirmes, auf dem Gesichter sonst schweißperlenzoomgerecht übertragen werden. Schritte hallten. Es roch nach paranormal activity. Ich nahm wieder am Vorlesetisch Platz, wechselte anschließend in die verwaisten Jurorenstühle und lobte mich nach Art von Naturvölkern des hohen Nordens ausgiebig. Soll in finsteren Wintern helfen. Experiment läuft. (Julya Rabinowich, 11.7.2015)

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