Neos "präsentieren" blaue Kandidaten

10. Juli 2015, 12:09
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Bei einem Pressetermin der Neos stand nicht die eigene Partei im Vordergrund, sondern die FPÖ

Wien – Ganz auf die FPÖ schießen sich derzeit die Wiener Neos ein. Am Freitag luden sie zum Pressetermin vor die Wiener Albertina. Nicht etwa, um ihr eigenes Programm zu präsentieren oder ihre Kandidaten vorzustellen, nein, die Neos widmeten sich der Kandidatenliste der Wiener FPÖ für die Gemeinderatswahlen.

Die Liste war am Mittwoch präsentiert worden. Zwei Tage später sagte Neos-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger: "Unter den ersten zehn Kandidatinnen und Kandidaten gibt es keinen Einzigen, der noch nicht durch menschenverachtende und hetzende Äußerungen aufgefallen ist."

"Befehle aus Ankara"

So zitierte sie etwa die auf Platz drei gereihte Veronika Matiasek, die über Zuwanderer sagte: "Sie fallen wie Termiten über die Obstbäume her und zerstören diese." Oder den einstigen Anwärter auf das Amt des Vizepräsidenten des Wiener Stadtschulrats, Maximilian Krauss: "Türken-Bürgermeister Häupl macht schon seit einiger Zeit den Eindruck, als würde er seine Befehle direkt aus Ankara bekommen." Der auf Platz zehn kandidierende Eduard Schock machte mit folgendem Zitat auf sich aufmerksam: "Türken und Araber weisen ein erhöhtes Gewaltpotenzial auf und besetzen auch einen erheblichen Teil unserer Gefängnisse."

"Ich bin erschüttert über diese Worte", so Meinl-Reisinger. Es handle sich um keine verbalen Ausrutscher. Die FPÖ sei mehr als eine rechtspopulistische Partei. Gleichzeitig sagte die Neos-Spitzenkandidatin, dass sie das nicht den Wählern der FPÖ vorwerfe. Diese würden deshalb zu den Blauen gehen, weil sie "die Schnauze voll haben". 145.000 Menschen in Wien seien arbeitslos, das treibe sie in die Arme des "rechten Hetzers".

Zu viel der Aufmerksamkeit?

Die Frage, ob die blauen Kandidaten durch die Hervorhebung durch die Neos nicht noch mehr Aufmerksamkeit bekämen, verneinte Meinl-Reisinger. Es handle sich bei den vorgetragenen Zitaten um keine Ausrutscher, sondern das habe System, rechtfertigte sie sich: "Das sollte man Wien erzählen."

Dazu, dass über die FPÖ allerorts geredet werde, "braucht es nicht uns", sagte Meinl-Reisinger. In vielen Umfragen würden sie derzeit auf Platz eins liegen. (Rosa Winkler-Hermaden, 10.7.2015)

  • FPÖ-Galerie vor der Wiener Albertina.
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    FPÖ-Galerie vor der Wiener Albertina.

  • Pinkes Schuhwerk von Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger.
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    Pinkes Schuhwerk von Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger.

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