US-Entwickler: "Stärker vernetzt denken und agieren"

Interview12. Juli 2015, 09:00
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Lorenz Reibling ist Mitbegründer des Green Summit sowie CEO des US-Entwicklers Taurus

Lorenz Reibling ist Mitbegründer des Green Summit sowie CEO des US-Entwicklers Taurus – und will sich als solcher seiner Verantwortung stellen.

STANDARD: Ihr Unternehmen Taurus Investment Holdings, die Tochterfirma Ecosmart sowie ihre Privatstiftung agieren als Sponsor des Green Summits in Liechtenstein. Wie kam es dazu?

Reibling: Ich lernte Peter Droege vor vielen Jahren bei einer Konferenz an der Tufts University in den USA kennen, als er die Keynote zum Thema Erdöl und Wasser hielt. Das war lange, bevor er auf den Lehrstuhl für Nachhaltige Raumentwicklung an der Universität Liechtenstein berufen wurde. Später zeigte sich: Seine Themen waren schon damals Zukunftsthemen. Erinnern wir uns: Schon 1972 veröffentlichte der Club of Rome das Buch "Die Grenzen des Wachstums".

STANDARD: Immobilienthemen spielten also zunächst gar keine Rolle?

Reibling: Unmittelbar nicht. Wer aber auch nur ein wenig in Zusammenhängen denkt, weiß, dass jedes Gebäude nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch eine Rolle spielt. Diese Verantwortung hat man, als Entwickler und Investor. Vor allem, wenn man wie Taurus komplette Stadtviertel plant, sei es in den USA, der Türkei oder in Indien. Wir unterstützen daher lieber eine solche Veranstaltung als die soundsovielte Immobilienfachkonferenz.

STANDARD: Worin liegt für Sie die Qualität der Veranstaltung?

Reibling: Wo es zunächst keine Gemeinsamkeiten zu geben scheint, entdeckt man diese dann doch. Den Green Summit kennzeichnet ein gemeinsames Anliegen ohne erzwungene Struktur. Besonders gefällt mir, dass auch viele Studierende und junge Initiativen dabei sind. Mir fehlen die Immobilienleute hier auch gar nicht so sehr. Ich freue mich vielmehr, dass zum Beispiel auch Mediziner teilnehmen. Wir müssen viel stärker vernetzt denken und agieren. Rein auf Ökonomie ausgerichtet zu sein ist kurzsichtig.

STANDARD: Welche Rolle spielt Liechtenstein dabei?

Reibling: Die Frage ist doch: Kann Liechtenstein etwas anderes als schwarze Konten führen? Ich meine: Ja. Der Weg von Schwarz nach Grün gelingt dort wirklich gut. Zum Beispiel werden inzwischen schon 40 Prozent der Landwirtschaft in Liechtenstein ökologisch betrieben.

STANDARD: Wie geht es weiter mit dem Green Summit?

Reibling: Die Konferenz fand nun zum sechsten Mal in acht Jahren statt. Ich erinnere mich noch gut an die Jahre 2008 und 2009. Da nahmen schweißgebadete Banker teil, die sich panisch fragten: Was gibt es denn außer Finanzprodukten sonst noch? Hier ergeben sich spannende Konstellationen und eben immer wieder neue Perspektiven. Deshalb fördern wir den Green Summit auch künftig. Auch im eigenen Interesse. Grün kann profitabel sein, nicht nur für organische Nahrung. (11.7.2015)

Lorenz Reibling (67) ist Mitgründer und CEO der Taurus Investment Holdings in Boston, USA, deren Geschäftsfelder Immobilienentwicklungen und -investitionen sind. Als Hauptsponsor war er einer der (zu) wenigen Anwesenden aus der Immobilienwirtschaft.

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    foto: taurus

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