Was werden wir in Zukunft können müssen?

13. Juli 2015, 13:02
86 Postings

Über zukunftsträchtige Jobs und dafür notwendige digitale Fertigkeiten diskutierten Experten bei der Fachtagung "E-Skills"

Welche Jobs werden in Zukunft entstehen? Welche Fähigkeiten werden dafür erforderlich sein? Und wie lerne und lehre ich sie? Das sind Fragen, die Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft bei der Fachtagung der Nationalagentur Lebenslanges Lernen des Österreichischen Austauschdienstes diskutierten.

Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria, sprach in ihrer Keynote über den Kompetenzbedarf aus Unternehmenssicht. "In der IT-Branche findet eine enorme Entwicklung statt", konstatiert sie. "Wir brauchen Leute, die sie vorantreiben." Und genau an jenen fehle es momentan: Derzeit seien 100 Positionen bei Infineon offen – zwei Drittel davon erfordern eine akademische Ausbildung in MINT-Fächern.

Expertenwissen vs. Basiskenntnisse

Fehlen würde es speziell an Frauen, bemängelt Herlitschka: ihr Anteil im Unternehmen beträgt aktuell 14 Prozent. Das sei schade, denn "eine genetische Prädisposition für diese Prozentsätze gibt es nicht". Dazu Peter Purgathofer, Professor an der Fakultät für Informatik der Technischen Uni Wien: "Der Großteil der Produkte wird heute von Männern gemacht, und in den IT-Abteilungen arbeitet nur der klassische Mister Spock. Das ist ein großes Problem, das wir lösen müssen."

Im weiteren Verlauf des Vormittags wurden "E-Skills" ausdifferenziert – es sei zu unterscheiden zwischen Expertenwissen und Fähigkeiten, die man für simple Bürotätigkeiten brauche – und ihre Bedeutung am heutigen Arbeitsmarkt debattiert.

Dass Chefs von allen Mitarbeitern gewisse technische Grundfertigkeiten verlangen, sei inzwischen Normalität – ob sie auch beherrscht werden, zeige sich in der Regel schon bei der Bewerbung. Selbst Uniabsolventen würden nicht selten daran scheitern, Unterlagen online hochzuladen.

Nicht mehr ohne Laptop

Dass sich E-Skills aber nicht nur auf Computerkenntnisse beziehen würden, warf Herlitschka ein. Sie sprach von Freude an Innovation, Freude daran, "gemeinsam an Spitzenleistungen" zu arbeiten. "Ich bin überzeugt, dass das Fähigkeiten einer E-Skills-Gesellschaft sind." Aber ein Grundverständnis für Systeme sei in einer digitalen Welt unerlässlich. "Da helfen uns nicht die paar ITler." Sprachkenntnisse, interkulturelle Kompetenz, eine vernetzte Denkweise und Selbstständigkeit müsse ein idealer Bewerber ebenfalls mitbringen.

Um diese wichtigen Fähigkeiten zu vermitteln, sei es unerlässlich, die Technik in die Hörsäle, Klassenzimmer und Seminarräume zu holen. Dazu bedürfe es innovativer, multimedialer Lehransätze. "Bildungseinrichtungen hinken hier dem alltäglichen Gebrauch hinterher", sagt Herlitschka. Und Purgathofer: "Man funktioniert heutzutage nicht mehr ohne Laptop." An der Uni sei die Faszination für Bücher längst einer Affinität für Technologien gewichen. Vorlesungen seien heute nicht mehr die "sprudelnden Quellen an Wissen, wo alle ihr Glas hinhalten müssen, damit sie etwas abbekommen".

Der Computer ist kein Feind

Studierende würden sich ihre Lehrangebote im Netz holen. Für das Bildungssystem sieht Purgathofer die Digitalisierung trotzdem mehr als Chance denn als Gefahr. "Schulen sollten sich überlegen, wie sie das Smartphone produktiv einsetzen können." Das sei bei den Pädagogen aber noch nicht angekommen. "Wir befinden uns hier in der Steinzeit, haben grobe Werkzeuge in der Hand. Wir müssen anfangen, damit zu experimentieren."

Was es dazu künftig brauche, sei ein österreichweit vernetztes Online-Lernsystem, sagt Friederike Sözen von der Wirtschaftskammer Österreich und fügt hinzu: "50 Prozent der Jobs wird es 2030 nicht mehr geben."

Nicht zuletzt deshalb müsse man sich "in der Lehrerausbildung endlich bewusst werden, dass der Computer kein Feind, dass das Internet nicht böse ist".

Als notwendige Maßnahmen formuliert Sözen: IT in allen Studien und Schulfächern zu verankern, "nicht als Wahl, sondern als Pflicht", damit "alle mitkommen". Und IT-Fachkräfte auszubilden, die die technologische Entwicklung auch vorantreiben. (Lisa Breit, 13.7.2015)

  • Computerkenntnisse, aber auch Systemdenken und Sprachen: Diese Skills werden am  Arbeitsmarkt von morgen weiter gefragt sein.
    foto: istock

    Computerkenntnisse, aber auch Systemdenken und Sprachen: Diese Skills werden am Arbeitsmarkt von morgen weiter gefragt sein.

  • "Wir haben so viele Mitarbeiter wie noch nie – So viel zum Thema: die Digitalisierung frisst Jobs", sagt Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria, in ihrer Keynote.
    foto: apa/ludwig schedl

    "Wir haben so viele Mitarbeiter wie noch nie – So viel zum Thema: die Digitalisierung frisst Jobs", sagt Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria, in ihrer Keynote.

  • Peter Purgathofer, Professor für Informatik an der TU Wien: "Das Smartphone ermöglicht die Suche von Informationen. Es sollte in den Schulen  produktiv genutzt werden"
    foto: apa/ludwig schedl

    Peter Purgathofer, Professor für Informatik an der TU Wien: "Das Smartphone ermöglicht die Suche von Informationen. Es sollte in den Schulen produktiv genutzt werden"

  • "50 Prozent der Jobs wird es 2030 nicht mehr geben. Nur wer technisches Interesse  zeigt, wird sich durchsetzen", sagt Friederike Sözen, Referentin für Bildungspolitik in der österreichischen Wirtschaftskammer.
    foto: apa/ludwig schedl

    "50 Prozent der Jobs wird es 2030 nicht mehr geben. Nur wer technisches Interesse zeigt, wird sich durchsetzen", sagt Friederike Sözen, Referentin für Bildungspolitik in der österreichischen Wirtschaftskammer.

Share if you care.