Im Jemen sollen die Waffen wieder schweigen

10. Juli 2015, 09:51
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Uno: Waffenruhe soll Versorgung der Zivilbevölkerung ermöglichen – Kurz vor Beginn noch neue Luftangriffe

Sanaa/Kairo – 21 Millionen Jemeniten können hoffen, dass in den nächsten Tagen lebenswichtige Güter wie Nahrungsmittel, Medizin, Treibstoff und sauberes Wasser zu ihnen gelangen. Die Uno hat das kriegsgeschüttelte Land auf die höchste humanitäre Dringlichkeitsstufe gesetzt; das heißt, es steht am Rande einer Katastrophe. In Aden ist bereits Denguefieber ausgebrochen.

Mit der Waffenruhe erwarten die Hilfsorganisationen, dass sie ihre bisher blockierten Lieferungen nun im ganzen Land verteilen und die schlimmste Not lindern können. Die Uno verlangt ungehinderten Zugang zu Häfen und Flughäfen. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Schiffe wieder kehrtmachen müssen.

Tausende Tote, Millionen vertrieben

Seit dem Beginn der von Saudi-Arabien angeführten Luftschläge Ende März sind 3200 Menschen, die Hälfte Zivilisten, getötet und 13.000 verletzt worden. Millionen Jemeniten wurden intern vertrieben. 80 Prozent der 21 Millionen Einwohner sind auf Hilfe angewiesen, zehn Millionen haben kaum Zugang zu Nahrungsmitteln und Wasser.

Der von der Uno vermittelten Waffenruhe haben sowohl die Huthi-Rebellen zugestimmt, als auch die ins saudische Exil geflüchtete Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Im vergangenen September hatten die schiitischen Huthi-Rebellen, unterstützt von Einheiten von Ex-Präsident Ali Abdallah Saleh, die Hauptstadt Sanaa überrollt und anschließend größere Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht. Verhandelt wurde jetzt auch über die Freilassung von Gefangenen durch die Huthis und ihren Rückzug aus vier südlichen und östlichen Provinzen.

Keine Sieger, keine Verlierer

Trotz der Luftschläge, die nun schon über drei Monate dauern, haben sich die militärischen Gewichte auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen nicht entscheidend verschoben: Es gibt weder klare Sieger noch klare Verlierer. Auch die Zivilbevölkerung leidet landesweit gleichermaßen.

In ihren letzten Offensiven haben die Huthis versucht, die Öl- und Gasvorkommen in Marib und Shabwa unter ihre Kontrolle zu bringen und Richtung Hadramaut vorzustoßen. Die letzten Tage waren besonders blutig. Saudi-arabische Jets intervenierten, als Teile von Regierungstruppen versuchten, zu den Huthis überzulaufen.

Zehn-Punkte-Plan

Schon im Mai gab es eine kurze Waffenruhe. EPA/YAHYA ARHABDiesmal – nachdem sich die Lage weiter drastisch verschlimmert hat – hoffen die Vermittler, dass ein Ansatz für weiterführende Gespräche gefunden werden kann. In Genf ist zwar ein erster Dialog im Juni gescheitert, aber dort wurde immerhin ein Zehn-Punkte-Plan ausgearbeitet, auf dem eine politische Lösung aufbauen könnte.

Da ist etwa eine internationale Überwachung eines Waffenstillstandes und ein schrittweiser Rückzug der Huthis vorgesehen, um ein Sicherheitsvakuum auszuschließen. Alle Maßnahmen müssen so gestaltet sein, dass beide Seiten ihr Gesicht wahren können. Eine Kapitulation der Huthis, wie sie Hadi und Saudi-Arabien verlangt haben, wird es nicht geben.

Oman vermittelt mit

Neben der Uno ist es vor allem der Oman, der auch gute Beziehungen zu Teheran unterhält, der sich für eine ausgewogene, politische Lösung einsetzt, bei der die Huthis und ihr militärischer Flügel einbezogen werden. (Astrid Frefel, 11.7.2015)

  • "Ihr habt Blut an den Händen", scheint diese Huthi-Anhängerin bei einer Demo vor der saudischen Botschaft in Sanaa sagen zu wollen.
    foto: epa/yahya arhab

    "Ihr habt Blut an den Händen", scheint diese Huthi-Anhängerin bei einer Demo vor der saudischen Botschaft in Sanaa sagen zu wollen.

  • Vorerst sollen die Waffen im Jemen ruhen.
    foto: reuters/singer

    Vorerst sollen die Waffen im Jemen ruhen.

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