Crash in China

Einserkastl9. Juli 2015, 18:01
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An eine Aktienbörse hatte vor 30 Jahren noch niemand gedacht

Wer vor über 30 Jahren China bereiste, konnte sich damals nicht vorstellen, dass es dort einmal einen Börsencrash geben würde, bei dem zig Milliarden Dollar vernichtet würden. Das Land war bei den ersten Schritten vom Maoismus zu den Reformen von Deng Xiaoping. Im Zentrum von Peking wurde man stolz zum ersten, winzigen privaten Markt geführt, auf dem privat gezogene Gurken zu Wucherpreisen zu haben waren. Das Straßenbild war von Millionen Radfahrern in Mao-Anzügen geprägt, Autos waren Funktionärsprivileg. Der Bauboom, der in Peking ganze alte Viertel wegrasieren sollte, stand erst bevor. Bei Fahrten in der Provinz sah man das Getreide, das die Bauern auf die Straße geworfen hatten, damit es die Lastwagen "dreschen" würden.

Die maoistische Katastrophe wurde bereits zart thematisiert. Mit subtiler Ironie wurde man in eine "Halle der schlafenden Maschinen" geführt, wo durch Planungsfehler der zentralen Bürokratie unbrauchbar gewordene Drehmaschinen standen. Im Fernsehstudio konnte man Sendungen verfolgen, in denen Erwachsene, die als Schüler wegen Maos "Kulturrevolution" 1966 ff. nicht lesen und schreiben gelernt hatten, ebendies nachholten.

Das heutige China eines autoritären Kapitalismus war undenkbar. An eine Aktienbörse hatte noch niemand gedacht. Und schon gar nicht an Superreiche, die dort Milliarden verlieren würden. (Hans Rauscher, 9.7.2015)

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