Die Rückkehr des Wunderpferds

10. Juli 2015, 10:24
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Nach einjähriger Auszeit gibt Dressurpferd Totilas in Hagen sein Comeback. Noch immer lockt das Ausnahmepferd zahlreiche Fans an. Dabei hat der Hengst seine besten Zeiten längst hinter sich

Hagen – Seine Glanzzeit liegt ein paar Jahre zurück. Als "Wunderpferd" wurde Totilas gefeiert. Um den Rapphengst entstand ein Hype, der im Dressurreitsport seinesgleichen suchte. Der Hype also ebbte ab, aber ein Wunderpferd bleibt ein Wunderpferd, wird nicht vergessen.

"Die Nachfrage ist enorm. Wir haben eine Zusatztribüne errichtet", sagt Anna Baden, Pressesprecherin des Dressurturniers in Hagen im deutschen Niedersachsen. Grund für die große Nachfrage: Totilas, 15 Jahre alt, Wunderpferd. Nach 356 Tagen geben der Hengst und sein deutscher Reiter Matthias Rath am Wochenende ihr Comeback. Das Ziel: die Qualifikation für die Europameisterschaft in Aachen Mitte August. Das Paar hat eine schwierige Zeit hinter sich. Verletzungen des Pferdes verhinderten mehrere Turnierauftritte, darunter jenen bei den Weltreiterspielen 2014 in Frankreich. Bei Olympia 2012 in London musste das Duo aufgrund einer Erkrankung Raths passen. Beim letzten Auftritt vor knapp einem Jahr in Aachen überzeugte das Duo aber. Selbiges versucht man in Hagen. "Der letzte Eindruck war gut. Wir sind optimistisch", sagte die deutsche Bundestrainerin Monika Theodorescu.

Ein besonderes Pferd

Dass Totilas immer noch die Massen anlockt, wundert Mitbesitzer Paul Schockemöhle nicht. "Es ist eben ein besonderes Pferd. Deshalb habe ich damals auch die verrückte Summe gezahlt", sagt der Unternehmer. Schockemöhle hatte den Hengst 2010 von den niederländischen Moorlands Stables um geschätzte zehn Millionen Euro gekauft. Geritten wurde das Pferd bis dahin vom Niederländer Edward Gal, unter dem es seine größten Erfolge feierte. Mit dem Sieg über Anky van Grunsven bei den niederländischen Meisterschaften 2009 begann Totilas' Ruf als Wunderpferd.

Van Grunsven hatte zu dieser Zeit gemeinsam mit der Deutschen Isabell Werth den Dressurreitsport dominiert. Bei den Weltreiterspielen 2010 in Kentucky gewann die Paarung dreimal Gold. Unter Rath konnte Totilas nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen. EM-Silber 2011 blieb die einzige internationale Medaille der beiden. Vier Jahre später bietet sich vermutlich noch eine, vielleicht die letzte Chance. Für ein EM-Ticket muss das Duo bei der Vier-Sterne-Prüfung in Hagen am Freitag und Sonntag einen Wert von rund 80 Prozent erreiten. Es scheint machbar. "Es ist schön, dass er wieder dabei ist. Ich hoffe auf eine gute Leistung. In der Vergangenheit war er immer stark, wenn er gesund blieb", sagte Schockemühle. Aus seiner Sicht bleibt Totilas "das beste Pferd, das ich je gesehen habe".

Kritik von Tierschützern

Das beste Pferd gab aber auch Anlass für Kritik. Tierschützer warfen Reiter und Besitzer vor drei Jahren die Anwendung der umstrittenen Rollkur vor. Bei der in Deutschland verbotenen Trainingsmethode wird das Pferd durch Herabziehen des Kopfes gefügig gemacht.

In Hagen können die Veranstalter gut auf Kritik verzichten. Lieber soll das Pferd die Besucher begeistern. Paul Schockemöhle hat Totilas längst in seinen Bann gezogen. Auch wenn er nicht mehr die ganz großen Erfolge holen konnte. Eine beachtliche Summe des Kaufpreises konnte er durch Deckeinsätze wieder hereinholen. "Totilas hat sehr gute Fohlen gemacht." (sid, rie, 10.7.2015)

  • Vor einem Jahr hatten Totilas und sein  deutscher Reiter Matthias Rath in Aachen ihren letzten Auftritt bei  einem Turnier. In Hagen will sich die Paarung nun für die EM im August  in Aachen qualifizieren.
    foto: apa/epa/rolf vennenbernd

    Vor einem Jahr hatten Totilas und sein deutscher Reiter Matthias Rath in Aachen ihren letzten Auftritt bei einem Turnier. In Hagen will sich die Paarung nun für die EM im August in Aachen qualifizieren.

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