Zwei Israelis seit Monaten im Gazastreifen vermisst

9. Juli 2015, 16:15
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Verteidigungsminister Yaalon beschuldigt Hama

Entführung/Vermisste/Militär/Israel/Palästina/Zusammenfassung – Israel macht Hamas verantwortlich – Palästinenser in Gaza pochen auf Gefangenenaustausch

Tel Aviv/Gaza – Zwei israelische Staatsbürger sind seit Monaten im palästinensischen Gazastreifen verschollen. Nach Aufhebung einer strikten Nachrichtensperre bestätigte der israelische Verteidigungsminister Moshe Yaalon am Donnerstag: "Zwei israelische Bürger befinden sich im Gazastreifen in den Händen der (dort herrschenden radikal-islamischen) Hamas." Israel bemühe sich um ihre Freilassung.

"Wir sehen die Hamas in der Verantwortung für ihr Schicksal", sagte Yaalon. Die Hamas hat bisher keine Entführung bestätigt und auch keine Forderungen gestellt.

Nach Medienberichten handelt es sich bei den Vermissten um Abraham Mengistu, einen Juden äthiopischer Abstammung aus der Küstenstadt Ashkelon, und einen Beduinen aus der Negev-Wüste. Beide Männer sollen unter psychischen Problemen leiden. Die Familie des äthiopischen Juden bat die Hamas, Rücksicht auf seinen Zustand zu nehmen.

Bürgern Israels ist es aus Sicherheitsgründen verboten, die autonomen Palästinensergebiete – den Gazastreifen und Teile des Westjordanlands – zu betreten. Das Verschwinden der Männer weckt Erinnerungen an den Fall Gilad Shalit. Der israelische Soldat war 2006 im Gazastreifen entführt worden. Er wurde erst 2011 in einem für Israel schmerzlichen Gefangenenaustausch freigelassen. Im Gegenzug kamen mehr als 1.000 palästinensische Häftlinge frei. Obwohl es sich bei den jetzt Vermissten nicht um Soldaten handelt, fürchtet Israel nun ein ähnliches Szenario. Israel hat das schmale Palästinenser-Gebiet an der Mittelmeerküste seit der Entführung Shalits strikt abgeriegelt. Es wird befürchtet, dass Israelis dort von islamistischen Gruppen zur Freipressung von palästinensischen Gefangenen entführt werden könnten.

Der junge Mann aus Ashkelon soll bereits keine zwei Wochen nach dem Gaza-Krieg im September 2014 Sicherheitsabsperrungen überquert haben, die Strände Israels und des Gazastreifens trennen. Israelische Sicherheitskräfte schafften es nach Medienberichten nicht, ihn rechtzeitig aufzuhalten. Der zweite Verschollene soll Beduine – also israelischer Araber – sein, er wird seit drei Monaten vermisst. Er habe in der Vergangenheit schon mehrmals die Grenze zum Gazastreifen überquert, hieß es.

"Israel hat sich an internationale und regionale Vermittler gewendet, um die sofortige Freilassung von Mengistu zu erreichen und sich nach seinem Wohlergehen zu erkundigen", erklärte das Verteidigungsministerium. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin, der am Donnerstag die Grenzgemeinden am Gazastreifen besuchte, erklärte: "Dies ist ein humanitärer Fall und wir erwarten, dass diejenigen, die ihn festhalten, dies berücksichtigen und ihn in guter Gesundheit freigeben."

Die Familie des 28-jährigen Abraham Mengistu gab vor ihrem Haus in Ashkelon ein kurze Erklärung vor der Presse ab. Im Beisein der von Kummer gezeichneten Mutter erklärte Asho Mengistu, sein Bruder sei in schlechtem Gesundheitszustand. Nähere Angaben machte er nicht. Ein Freund der Familie erklärte, die israelischen Behörden hätten gedrängt, den Fall nicht publik zu machen, weil dies die Chancen für eine Freilassung erhöhe.

Der frühere Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes, Avi Dichter, sagte im Armee-Radio, es sei eventuell möglich, die Freilassung der beiden Israelis mit der Überstellung der Leichen von zwei vergangenes Jahr im Gazastreifen gefallenen Soldaten zu verknüpfen. "Wenn wir das in indirekten Verhandlungen mit der Hamas erreichen könnten, wäre es ein großer Erfolg", sagte der heutige Abgeordnete der regierenden Likud-Partei.

Militante Palästinenser pochten unterdessen auf einen neuen Gefangenenaustausch. Ein Hamas-Sprecher in Gaza, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der AFP: "Nichts ist umsonst. Bevor aber überhaupt darüber diskutiert werden kann, verlangt die Hamas die Freilassung der Gefangenen, die 2001 für Gilad Shalit auf freien Fuß kamen, 2014 aber wieder festgenommen wurden." Abu Obeida, Sprecher der Qassam-Brigaden in Gaza, sagte, der Krieg des vergangenen Jahres sei noch nicht vorbei. "Der Krieg dauert an, solange wir die Frage der Gefangenen nicht beendet haben." Offenbar sind die Leichen zweier israelischer Soldaten noch bei der Hamas. Diese will die Soldaten erst austauschen, wenn palästinensische Gefangene freigelassen werden. (APA, 9.7.2015)

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