Österreich: Immer mehr Osteuropäer verlieren Job

10. Juli 2015, 12:43
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Gemessen an der Zahl der aktiven Osteuropäier hier ist die Arbeitslosigkeit nicht gravierend, Sorge bereitet der rasante Anstieg

In den Eurokrisenstaaten ist die Perspektive, sich in Österreich einen Job zu suchen, nicht allzu stark ausgeprägt. Im Vorjahresvergleich wuchs die Zahl der Griechen am heimischen Arbeitsmarkt um 224 Personen, jene der Spanier um 188 und die von Portugiesen um 124. Der Zuzug aus Osteuropa ist dagegen ungebrochen stark und liegt deutlich über den von den Wirtschaftsforschern anlässlich der Öffnung des Arbeitsmarktes vorgelegten Prognosen.

Gegenüber Mai 2014 hat sich die Zahl der in Österreich Beschäftigten aus den neuen Mitgliedsstaaten um 21.110 auf rund 220.000 Personen erhöht, wobei der Zuzug aus Rumänien am deutlichsten ausfiel. Dazu kommen 26.000 Arbeitslose aus diesen Ländern, die hierzulande unterstützt werden. Macht in Summe 246.000 Personen. Zum Vergleich: Aus den 15 alten EU-Staaten sind 130.000 Leute hierzulande beschäftigt oder auf Jobsuche.

Rasanter Anstieg

Gemessen an der Zahl der hier aktiven Osteuropäer ist deren Arbeitslosigkeit zwar nicht gravierend, Sorge bereitet aber der rasante Anstieg. Die gängige These, dass die Zuwanderer aus den neuen Mitgliedsstaaten ältere Migranten aus der Türkei oder Serbien verdrängen, wackelt zusehends. Osteuropäer verdrängen immer stärker sich selbst.

Aus den im Mai 2004 der EU beigetretenen Ländern stieg die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich um 26,10 Prozent, von den seit 2007 in der Union befindlichen Staaten Rumänien und Bulgarien befinden sich um knapp 40 Prozent mehr auf Jobsuche als vor einem Jahr, wobei der Zuwachs bei Bulgaren (plus 60 Prozent) besonders dramatisch ausfällt.

foto: apa/herbert neubauer
Türken und Zuwanderer aus Ex-Jugoslawien sind am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen

Trendwechsel

Wifo-Experte Helmut Mahringer verweist darauf, dass die Zuwanderer früher weniger stark von Arbeitslosigkeit betroffen waren als Inländer, mittlerweile steige deren Rate stärker als die der Österreicher, aber schwächer als die von Türken oder Ex-Jugoslawen. Der Grund: Je länger sich die Migranten aufhalten, desto stärker verschiebt sich der Lebensmittelpunkt nach Österreich. "Dabei entstehen auch Ansprüche", schneidet Mahringer einen heiklen Punkt an.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache warnt ja immer wieder vor dem Zuzug und damit vor "Zuwanderung in das Sozialsystem". Im AMS sieht man das anders und verweist auf den demografischen Wandel, also die Alterung der Gesellschaft, der von der Migration gebremst wird. Deutschland weise derzeit dank schrumpfender Bevölkerung niedrigere Arbeitslosenzahlen auf, langfristig könne das aber zu Problemen für die Sicherung der Sozialsysteme führen. (Andreas Schnauder, 10.7.2015)

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