Vom Auto eingebremst auf der Strada del Sole

Kolumne13. Juli 2015, 14:33
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Im italienischen Baustellenchaos nimmt das Fahrzeug das Ruder plötzlich selbst in die Hand

Nehmen wir an, Sie sind nicht der Typ Mensch, der stubenhockerisch der LED-Bleichung frönt (= vor dem Flachbildschirm seine Zeit verbringt), sondern sich lieber doch der UV-Bräunung hingibt. Aber nicht etwa diesen halbstarken Sonnenstrahlen wie hierzulande, nein, das Zentralgestirn will richtig erfahren werden – bei Belieben bis zur Häutung. Also rein in den Wagen, rauf auf die Strada del Sole, sprich: ab nach Italien!

Ist die Grenzlinie erst passiert, herrscht in dem Land, wo die Zitronen blühen, sommers traditionell Baustellenchaos. Also gegebenenfalls rechts einreihen, Fahrverhalten anpassen, mögliches Aggressionspotenzial zügeln. Der Eingeweihte weiß: Die ominösen Zehn- oder 20-km/h-Beschränkungen sind prinzipiell zu ignorieren – reine Warnfunktion.

Fragwürdige Entwicklung

Schon mit dem Aroma röstfrischer Kaffeebohnen in der Nase fährt man also des Weges – und siehe da, prompt erscheint dies komische 20er-Täfelchen. Man bleibt gelassen, weiß Bescheid. Nützt aber nichts, denn jetzt nimmt das Fahrzeug das Ruder in die Hand und leitet eine Bremsung ein, auf Tempo 20.

Warum? Neueste Verkehrsassistenten erkennen nicht nur Tempolimits, sondern übernehmen sie auch gleich. Das ist rechtlich nicht ganz unbedenklich, Computer handeln ja ohne gesunden Menschenverstand. Will man so den Fahrer schleichend ans vollautonome Fahren gewöhnen? Wird selbstständiges Denken bald als Risikofaktor interpretiert? Klingt nach fragwürdiger Entwicklung. Aber sei's drum. Solange man das System noch überstimmen kann, ist die Welt in Italien in Ordnung. Auch auf der Straße. (Stephan-Alexander Krenn, 14.7.2015)

  • Neueste Verkehrsassistenten übernehmen Tempolimits, etwa bei einer Baustelle.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Neueste Verkehrsassistenten übernehmen Tempolimits, etwa bei einer Baustelle.

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