Zwei Flüchtlingsquartiere und ein Bruderzwist

9. Juli 2015, 15:00
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Immer wieder bieten Private Unterkünfte für Asylwerber an, das steirische Flüchtlingsreferat prüft ständig Quartiere

Maria Lankowitz/Weißkirchen – Nicht immer sind die Ortskaiser schuld, wenn ein Flüchtlingsquartier in einer Gemeinde nicht sofort realisiert wird. Den STANDARD erreichten in den letzten Tagen gleich zwei empörte Steirer, die private Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stellen wollen. Beide wurden vor Monaten beim Flüchtlingsreferat des Landes vorstellig und beschwerten sich nun darüber, dass "das Land" die Belegung der Quartiere "blockiere".

Der erste Mann ist aus der Gemeinde Maria Lankowitz, wo er bis 2012 auch für die FPÖ aktiv war. Mittlerweile zog er nach Wien und will seine 55 Quadratmeter große Wohnung, "saniert und möbliert, mit Garten und Bushaltestelle vor der Türe, gerne einer Flüchtlingsfamilie zur Verfügung stellen". Die Wohnung sei bereits vom Land geprüft worden, aber seitdem herrsche Funkstille.

"Kann über alles reden"

"Stimmt so nicht", heißt es aus dem Flüchtlingsreferat. "Herr S. will die Wohnung nicht selber betreuen, und wir haben ihm eine Betreuung durch die Organisation Jugend am Werk angeboten." Doch die 120 Euro monatlicher Zuschuss pro Person für die Wohnung, in der maximal vier Personen Platz haben, seien dem Mann nicht lukrativ genug. "Stimmt nicht", sagt Herr S. auf Nachfrage des STANDARD. "Ich hätte zwar gerne 550 Euro im Monat bekommen, aber man kann über alles reden, man muss mich nur anrufen." Das Flüchtlingsreferat will das nun umgehend machen.

Auch der Bürgermeister von Maria Lankowitz, Kurt Riemer (SPÖ), hat nichts gegen das Quartier, wie er dem STANDARD sagt: "Wir haben schon 17 Asylwerber in unserer Gemeinde, mit denen es keine Probleme gibt, es ist alles im grünen Bereich. Vier mehr werden wir sicher auch verkraften."

Der zweite Fall betrifft einen Gärtner in Weißkirchen. Ein ganzes Haus mit 160 Quadratmetern wolle er Flüchtlingen zur Verfügung stellen. Mindestens zwei Familien könnte man in dem frisch renovierten Haus unterbringen. Schon 2014 habe jemand vom Flüchtlingsreferat das Haus geprüft und für in Ordnung befunden. Doch noch immer seien keine Flüchtlinge eingezogen.

Einigung der Gärtner

Ein kleines Detail vergaß der Gärtner zu erwähnen. Heinrich Fischer, Sprecher des Flüchtlingsreferates, kennt es: "Das Quartier ist in Ordnung, aber es ist rundum umgeben von einem Grundstück, dessen Besitzer vehement dagegen ist, dass da Asylwerber reinkommen. Wir haben seitenweise Aktenvermerke zu dem Fall. Ich kann nicht Menschen dort einquartieren, die dann nicht einmal spazieren gehen könnten." Wie sich herausstellte, handelt es sich bei dem benachbarten Grundbesitzer ausgerechnet um den Bruder des potenziellen Quartiergebers, der ebenfalls Gärtner ist.

Doch der Quartiergeber winkt ab: "Der Anwalt meines Bruders hat dem Land vor mehreren Wochen einen Brief geschickt, dass er nichts dagegen hat."

"Bei uns ist die Information, dass die Gärtner sich endlich geeinigt haben, gestern eingelangt", heißt es dazu am Donnerstag aus dem Flüchtlingsreferat. Das Quartier werde nun "umgehend belegt". (Colette M. Schmidt, 9.7.2015)

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