Mithilfe bei Forschung zu geänderter Landnutzung erhofft

12. Juli 2015, 16:42
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Citizen-Science-Projekt untersucht österreichische Feuchtgebiete und Zersiedelung

Wien – Mit Hilfe Tausender Laien haben Wissenschafter des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien bereits globale Karten über Ackerflächen und Feldergrößen erstellt. Nun wollen sie mit Unterstützung der Bevölkerung Informationen über Änderungen in der Landnutzung in Österreich sammeln. Diese sollen bei der Forschung zu Klimawandel und Hochwasserrisiko helfen.

Die Forscher interessieren sich insbesondere für die Feuchtgebiete in Österreich. "Seit 25 Jahren hat es keine ordentliche Bestandsaufnahme der Feuchtgebiete in Österreich mehr gegeben. Wir wissen, dass sie schrumpfen, aber wir wissen nicht, wie viel", erklärte der Leiter des Projekts, Steffen Fritz. Klar ist aber, dass bei der Trockenlegung solcher Gebiete große Mengen an Kohlendioxid freigesetzt werden – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Klimawandel.

Zudem wollen die Wissenschafter mit Hilfe der Bevölkerung Daten über die Zersiedelung der Landschaft sammeln. Denn mit der zunehmenden Bodenversiegelung durch die sich ausbreitenden Städte steigt auch die Überschwemmungsgefahr.

Forschung per App

Das Geo-Wiki-Team des IIASA hat für das Citizen-Science-Projekt "FotoQuest Austria" eine Spiele-ähnliche App entwickelt, die man sich kostenlos auf sein GPS-fähiges Smartphone laden kann. Nach Registrierung kann man Zielorte auswählen, wo den Forschern noch Landschaftsdaten fehlen. Die App hilft nicht nur, dorthin zu navigieren, sondern auch die benötigten Fotos zu machen und weiterführende Informationen zu sammeln, abzuspeichern und hochzuladen. So soll man etwa erkunden, welche Bäume oder Nutzpflanzen am Zielort zu sehen sind. Dabei können die Teilnehmer auch Punkte sammeln und Preise gewinnen, bis Ende September werden Daten gesammelt.

Das Projekt ist das erste von mehreren in den nächsten vier Jahren geplanten. Durch die Informationen über die Landbedeckung im Laufe von mehreren Jahren können die Forscher Veränderungen der Landnutzung verfolgen. Die Daten sollen in eine vom IIASA erstellte detaillierte Datenbank zur Bodenbedeckung und -nutzung in Österreich einfließen, die für nachhaltige Städteplanung, Klimawandelforschung, Naturschutz und Wassermanagement genutzt werden kann.

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 unterstützt die Initiative. "Jeden Tag werden in Österreich 190.000 Quadratmeter Land versiegelt, also der Natur entzogen. Wenn wertvoller Boden einmal in Straßen oder Shopping-Malls umgewandelt wurde, ist dieser meistens für immer verloren", sagte die Sprecherin der Organisation, Lydia Matzka-Saboi. Mit Hilfe der App könne jeder in seiner Freizeit der Wissenschaft helfen und sich so aktiv an Umweltschutz beteiligen. (APA, 12. 7. 2015)

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