"Zauberkäse" brachte Französin hinter Gitter

10. Juli 2015, 11:27
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Es ist einer der größten Betrugsskandale in der chilenischen Geschichte. Eine Französin hat mit einem "Zauberkäse" Tausende um ihr Geld gebracht

Paris/Santiago de Chile – Für "Madame Gil" alias Gilberte van Erpe hat es sich ausgezaubert. Auch ihr magischer Käse wird ihr nicht bei dem Urteil des französischen Strafgerichts helfen können. Die 74-jährige Französin hatte in den Jahren 2005 und 2006 über 5.000 Chilenen mit dem Verkauf von "Zauberkäse" betrogen und wurde nun zu drei Jahren Haft verurteilt. Dazu kommen noch drei weitere Jahre auf Bewährung und eine Geldstrafe von 250.000 Euro hinzu. So ein Käse.

Ihre Opfer waren ausschließlich Chilenen. Sie verkaufte über die Firma Fermex dubiose "Starter Kits" um rund 369 Euro und versprach ihren Kunden viel Geld durch die Erzeugung des Käses. Diesen könnten sie nämlich später zu einem guten Preis an die französische Kosmetikindustrie verkaufen. Ihre Käufer mussten wöchentlich ein Puderpaket kaufen, das sich durch Beimischen von Milch in den "Quesito mágico" verwandelte. Die fertige Masse wurde dann wieder an die Firma Fermex geschickt. Viele der Chilenen fielen auf den Trick herein, weil ihnen anfangs sogar Geld vom falschen Unternehmen für die Käseproduktion überwiesen wurde. Nach dem Schneeballprinzip wurde das Produkt dann an Freunde und Verwandte weiterempfohlen, um mehr Geld damit zu erzielen.

Die Betrügerin organisierte große Veranstaltungen in Santiago de Chile, wo sie ihr Produkt vorstellte. Sie kam anscheinend sehr glaubhaft rüber, denn die Opfer wurden erst auf den Betrug aufmerksam, als die Firma Fermex ihre Zahlungen einstellte. Der Käse ist nicht weit gekommen – fünfeinhalb Tonnen verschimmelter Magie wurden in einem chilenischen Lager entdeckt.

Schadenssumme bis zu zehn Millionen Euro

Es ist einer der größten Betrugsskandale in der chilenischen Geschichte. Allein in dem Dorf Cantauco, 120 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile, wurden rund 600 Familien Opfer des Betrugs. Viele machten sich große Hoffnungen und investierten viel Geld in das Produkt. Einige nahmen sogar eine Hypothek auf ihr Haus auf. Übrig waren am Ende nur offene Schulden, bei einigen sogar bis zu 164.000 Euro. Insgesamt beläuft sich der Schaden auf bis zu mehr als zehn Millionen Euro.

Es ist aber nicht das erste Mal, dass "Madame Gil" diesen Trick angewendet hat. In Peru und in Belgien wurde sie schon vor einigen Jahren wegen Betrugs verurteilt. Im Jahr 2008 wurde sie dann in Frankreich festgenommen und nun in Paris verurteilt. Ob sie nach ihrem jetzigen Urteil immer noch Gusto auf Gouda verspürt? (David Stojanoski, 9.7.2015)

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  • Dieser preisgekrönte Cheddar ist sicher auch ein bisschen "Zauberei". Aber keine illegale.
    foto: amber arnold/wisconsin state journal via ap

    Dieser preisgekrönte Cheddar ist sicher auch ein bisschen "Zauberei". Aber keine illegale.

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