USA: South Carolina entfernt Südstaatenflagge

10. Juli 2015, 22:35
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Nach dem offenbar rassistisch motivierten Massaker in einer Kirche stimmte das Repräsentantenhaus für die Entfernung der Südstaatenflagge

Columbia – Mehr als 50 Jahre lang flatterte die Konföderiertenflagge – ein mit weißen Sternen besetztes blaues Andreaskreuz auf rotem Grund – vor dem Kapitol South Carolinas in der Hauptstadt Columbia. Nachdem Abgeordnete am Donnerstag nach einer langen und emotionalen Debatte im Repräsentantenhaus mit 94 zu 20 Stimmen für ein entsprechendes Gesetz stimmten, wurde die Südstaatenflagge am Freitag abgenommen, wie die New York Times berichtet.

Ein Tag, an dem der Staat heilt

"Es ist ein neuer Tag in South Carolina, ein Tag auf den wir alle stolz sein können, ein Tag, der uns wirklich alle näher zusammen bringt und wir als ein Volk und ein Staat weiter heilen" sagte Gouverneurin Nikki R. Haley nach der Abstimmung. Bereits am Montag rief die republikanische Politikerin dazu auf, die Flagge zu entfernen, nachdem vor drei Wochen der mutmaßliche weiße Attentäter Dylann Roof (21) ein Blutbad in einer Afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche (AME) in Charleston angerichtet und neun schwarze Menschen getötet hatte, darunter auch ein Senator South Carolinas.

Dylann Roof wurde vor dem Massaker posierend mit der Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika fotografiert. In einem im Internet verbreiteten Manifest äußerte der junge Mann zudem rassistisches Gedankengut. Die Konföderierten Staaten von Amerika kämpften im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 für den Erhalt der Versklavung.

Auch der Senat von South Carolina hatte sich bereits am Dienstag für die Entfernung der Fahne ausgesprochen. Die Gouverneurin unterschrieb am Donnerstag das Gesetz. Ein Regierungssprecher sagte, dass der Staat danach 24 Stunden Zeit habe die Flagge zu entfernen. Diese würde dann in das Militär- und Reliktmuseum der Konföderierten Staaten in der Nähe des Kapitols des US-Bundestaates South Carolina gebracht.

Die Abgeordneten seien über das Resultat freudig und verblüfft gewesen, da sich die Debatte über die Gesetzesänderung verzögern hätte können. David J. Mack III, ein demokratischer Abgeordneter, warnte vergangenen Donnerstag vor einer Verzögerung, bei welcher die Flagge am 18. Juli noch hängen könnte: für diesen Tag plant der rechtsextreme Ku-Klux-Klan einen Protest vor dem Parlament, wo die Fahne aktuell noch weht.

Emotionale Verhandlungen

Die Verhandlungen seien nicht leicht gewesen, viele Emotionen auf beiden Seiten seien mit der Flagge verbunden, so Mack III. Er sei jedoch sehr zufrieden mit dem Resultat. Der Abgeordnete Michael A. Pitts sagte: "Aufgrund der Geschichte meiner Vorfahren wuchs ich mit Ehrfurcht vor dieser Flagge auf."

Der republikanische Abgeordnete James H. Mill sagte: "Es ist bedauerlich, dass ein derartig tragisches Ereignis für diese Änderung nötig gewesen war. Letztendlich, wenn irgendetwas Gutes daraus resultieren sollte, haben wir ein umstrittenes Thema hinter uns gebracht", zitiert die New York Times den Abgeordneten.

Die Abstimmung sei entschieden worden, als die Republikanerin Jenny Anderson Horne weinerlich und inständig ihre Kollegen bat, es zu keiner Verzögerung wegen eines Abänderungsantrages kommen zu lassen. "Die Menschen von Charleston verdienen rasch und sofort die Entfernung der Flagge von diesem Gelände. Ich kann nicht glauben, dass wir nicht das Herz haben, etwas Bedeutsames zu tun."

Ihr Anliegen wurde fast verhindert als ein Abänderungsantrag beinahe genügend Unterstützung erhielt und den Gesetzgebungsprozess verzögert hätte. Auch hätten sich manche Abgeordneten darüber beklagt, dass Gegner der Flaggenentfernung zu wenig zu Wort gekommen seien. Die meisten Abgeordneten bemühten sich jedoch um eine schnelle Entscheidungsfindung. "Ich glaube nicht, dass die Mehrheit die Absicht hatten, gegen die Entfernung der Fahne zu stimmen", sagte Merrill.

Ein Sieg über den Stolz

Jesse L. Jackson, ein Bürgerrechtler und gebürtiger South Caroliner, beschrieb das Gesetz als "einen Sieg über den Stolz." Der demokratische Abgeordnete J. Todd Rutherford, der auch afrikanische Vorfahren hat, staunte über die Geschwindigkeit des Prozesses, ausgerechnet 15 Jahre nachdem die Flagge im Kompromiss von der Kuppel des Parlaments- und Regierungsgebäudes auf eine Fahnenstange neben dem Denkmal konföderierter Soldaten vor dem Regierungsgebäude gebracht wurde. Er sagte: "Es bedeutet die Welt für uns, dass wir ein Symbol der Spaltung aus unserem Vorgarten entfernen." (New York Times, APA, red, 9.7.2015)

  • Am Freitag wurde die Konföderierten-Flagge eingeholt.
    foto: ap/john bazemore

    Am Freitag wurde die Konföderierten-Flagge eingeholt.

  • Abgeordneter  Carl Anderson und Bürgerrechtler Jesse Jackson nach der Abstimmung.
    foto: ap/john bazemore

    Abgeordneter Carl Anderson und Bürgerrechtler Jesse Jackson nach der Abstimmung.

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